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    Leitartikel: Der Euro ist nicht gerettet

    Es ist unrealistisch zu erwarten, dass die Euro-Finanzkrise durch die Beschlüsse von Brüssel ausgestanden sei. Zu viele Unsicherheiten sind nach wie vor im Spiel. Die Finanzmärkte haben noch nicht die Orientierung wiedererlangt; ihr Vertrauen in die Nachhaltigkeit politischer Entscheidungen ist noch lange nicht stabilisiert. Ist das blanker Pessimismus? Nein. Die Blicke der Finanzmärkte richteten sich in der vergangenen Woche nicht in erster Linie auf Griechenland, nicht auf Portugal oder Irland, sondern auf Italien. Denn Rom musste sich auf den Kapitalmärkten neues Geld besorgen. Im Mai lag der Zinssatz noch bei 2,5 Prozent. Am Mittwoch vergangener Woche mussten für eine auf eine Milliarde Euro lautende Anleihe schon vier Prozent bezahlt werden. Am Donnerstag musste Rom dann acht Milliarden Euro auf dem Anleihemarkt begeben. Für eine Tranche von 2,6 Milliarden Euro betrug die Rendite für eine zehnjährige Anleihe schon stolze 5,77 Prozent. Das ist schon fast prohibitiv teuer. Denn die Verschuldung Italiens liegt bei satten 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

    Von Friedrich von Westphalen. Foto: DT

    Es ist unrealistisch zu erwarten, dass die Euro-Finanzkrise durch die Beschlüsse von Brüssel ausgestanden sei. Zu viele Unsicherheiten sind nach wie vor im Spiel. Die Finanzmärkte haben noch nicht die Orientierung wiedererlangt; ihr Vertrauen in die Nachhaltigkeit politischer Entscheidungen ist noch lange nicht stabilisiert. Ist das blanker Pessimismus? Nein. Die Blicke der Finanzmärkte richteten sich in der vergangenen Woche nicht in erster Linie auf Griechenland, nicht auf Portugal oder Irland, sondern auf Italien. Denn Rom musste sich auf den Kapitalmärkten neues Geld besorgen. Im Mai lag der Zinssatz noch bei 2,5 Prozent. Am Mittwoch vergangener Woche mussten für eine auf eine Milliarde Euro lautende Anleihe schon vier Prozent bezahlt werden. Am Donnerstag musste Rom dann acht Milliarden Euro auf dem Anleihemarkt begeben. Für eine Tranche von 2,6 Milliarden Euro betrug die Rendite für eine zehnjährige Anleihe schon stolze 5,77 Prozent. Das ist schon fast prohibitiv teuer. Denn die Verschuldung Italiens liegt bei satten 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

    Italien will zwar in den kommenden Jahren 48 Milliarden Euro einsparen. Und die Regierung Berlusconi erwartet für 2014 ein Wachstum von 1,6 Prozent. Doch ob dieses Wachstum erreicht wird und zusammen mit den Einsparungen die Sanierung des Haushalts sicherstellt, ist zweifelhaft. Die Finanzmärkte jedenfalls sind mehr als skeptisch. Erkennbar wird dies an zwei Grunddaten: Die Prämien für Kreditausfallversicherungen („Credit Default Swaps“ – CDS) steigen und steigen. Für italienische Anleihen haben sie sich seit April verdoppelt. Gegenwärtig liegen sie bei 290 Basispunkten. Das bedeutet: Wenn ein Gläubiger eine Anleihe in Höhe von einer Million Euro gegen einen Zahlungsausfall absichern will, muss er jährlich eine Prämie von 29 000 Euro entrichten. Für griechische Anleihen sind es bereits 200 000 Euro.

    Viele sagen, dass die ersten und wesentlichen Indikatoren sich nicht in den Renditen für Staatsanleihen niederschlagen, sondern in dem wesentlich sensibleren CDS-Markt. Er ist unreguliert. Eine Börse besteht für diese Papiere nicht. Die dort Tag für Tag neu berechneten Prämien nehmen die Erwartung der Zukunft langfristig vorweg, folgen aber im längerfristigen Trend durchaus den Entwicklungen auf den Anleihemärkten. Eine der großen „Spieler“ auf diesem eng begrenzten Markt ist die Deutsche Bank. Von ihr aber heißt es, dass sie ihre Bestände an italienischen und auch spanischen Staatsanleihen in den vergangenen Wochen sukzessive abgebaut hat. Das nennt man Vorsicht und auch Vorsorge.

    Damit nicht genug. Die Ratingagentur Moody's hat Spanien in der vergangenen Woche mit einer Herabstufung seiner Bonität gedroht. Die Rendite für zehnjährige Anleihen Madrids belief sich derweilen auf 6,1 Prozent, was praktisch angesichts einer Arbeitslosigkeit von 20 Prozent schlicht nicht zu stemmen ist. Derweilen hat Ministerpräsident Zapatero für den November vorzeitig Neuwahlen ausgerufen, was keineswegs ein Signal in Richtung politischer und wirtschaftlicher Stabilität ist. Und in der Provinz wackelt das Bankensystem, eine späte Folge des gescheiterten Immobilienbooms. Abschreibungen fressen bekanntlich das Eigenkapital; ohne einen hinreichenden Risikopuffer aber funktioniert keine Bank.

    Es deutet also einiges darauf hin, dass die Beschlüsse von Brüssel wohl nur eines erreicht haben: Sie haben ein wenig Zeit erkauft.