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    Leitartikel: Der Anfang vom Ende?

    Kobane ist befreit. Den Kurden ist es mit Hilfe der Anti-IS-Koalition aus der Luft jetzt gelungen, die Kämpfer des Islamischen Staats aus der syrischen Grenzstadt zur Türkei zu vertreiben. Ist das der Anfang vom Ende des Islamischen Staats? Tatsächlich wurde ihm in Kobane eine empfindliche Niederlage zugefügt. Der Mythos der Unbesiegbarkeit und Unaufhaltbarkeit ist schwer angeschlagen. Dennoch wird es noch Jahre dauern, ehe dem Spuk ein Ende bereitet werden kann. Die Besonderheit des IS ist, dass es ihm gelungen ist, sich auf weiten Flächen des Territoriums von zwei zerfallenden Staaten festzusetzen, Syrien und dem Irak. Von Aleppo bis Bagdad reicht das direkt oder indirekt kontrollierte Gebiet des Kalifats. Millionen arabischer Sunniten unterstützen den IS dort aktiv oder passiv. Widerstand gibt es, aber nur vereinzelt.

    Kobane ist befreit. Den Kurden ist es mit Hilfe der Anti-IS-Koalition aus der Luft jetzt gelungen, die Kämpfer des Islamischen Staats aus der syrischen Grenzstadt zur Türkei zu vertreiben. Ist das der Anfang vom Ende des Islamischen Staats? Tatsächlich wurde ihm in Kobane eine empfindliche Niederlage zugefügt. Der Mythos der Unbesiegbarkeit und Unaufhaltbarkeit ist schwer angeschlagen. Dennoch wird es noch Jahre dauern, ehe dem Spuk ein Ende bereitet werden kann. Die Besonderheit des IS ist, dass es ihm gelungen ist, sich auf weiten Flächen des Territoriums von zwei zerfallenden Staaten festzusetzen, Syrien und dem Irak. Von Aleppo bis Bagdad reicht das direkt oder indirekt kontrollierte Gebiet des Kalifats. Millionen arabischer Sunniten unterstützen den IS dort aktiv oder passiv. Widerstand gibt es, aber nur vereinzelt.

    Allerdings besteht zwischen beiden Ländern eine fundamentale Asymmetrie, die das Vorgehen gegen den IS weiter erschwert. Die Schwierigkeit in Syrien ist, dass es anders als im Irak keine potenten lokalen Mitstreiter gibt, die es auf breiter Front mit dem IS aufnehmen könnten. Gewiss, die irakische Armee hat erst durch ihr spektakuläres Versagen in Mossul im Juni die Türen weit für den IS aufgestoßen. Dennoch ist die irakische Luftwaffe, sind vor allem die schiitisch dominierten Einheiten brauchbare Instrumente im Kampf gegen den IS. Hinzu kommen die kurdischen Peschmerga. Auch sie schienen im Sommer dem Druck des IS nicht länger gewachsen. Aber mit amerikanischer Hilfe gelang es ihnen, sich zu behaupten. In Syrien fehlen derartige Akteure, ist die Freie Syrische Armee zu schwach, sind die syrischen Kurden nicht zur Offensive fähig. Die nicht-IS-Kräfte in Syrien werden zwischen Assad und dem IS aufgerieben.

    Die Frage ist, wann sich die taktischen Erfolge gegen den IS zu einem strategischen summieren. Solche wären: Die Ausschaltung der Fähigkeit des IS, Territorium zu erobern und zu halten. Und hier war die Koalition bislang nur teilweise erfolgreich. Schon bisher gelang es der Koalition im Irak, den IS an der Expansion in kurdisches und schiitisches Gebiet zu hindern. Das ist jetzt auch in Kobane geschehen. Schwierig ist es allerdings, den IS an der Konsolidierung seiner Macht in den sunnitischen Kerngebieten zu hindern. Dazu bedürfte es im Irak einer Alternative zur schiitischen Dominanz in Bagdad, in Syrien zum Assad-Regime. Denn der Aufstieg des IS wäre ohne den sunnitischen Aufstand in beiden Ländern undenkbar gewesen.

    Der Ausschaltung des IS muss deshalb die Schwächung von innen, aus den sunnitischen Kerngebieten, vorausgehen. Das ist ein langwieriges, aller Voraussicht nach mehrjähriges Unterfangen. Es wird vor allem vom Irak ausgehen und dort in dem Maße erfolgreich sein, wie die arabischen Sunniten im IS das größere Übel erblicken und sich gegen ihn wenden. Weder Kurden noch Schiiten können das ersetzen. Bagdader Zugeständnisse in Richtung weitgehender Selbstverwaltung und Kontrolle etwa der Polizei sind dafür entscheidend. In Syrien wiederum fehlt eine derartige Perspektive. Selbst Washington sieht im IS mittlerweile das größere Übel als im Assad-Regime. Allenfalls indirekt, über den Irak, lässt sich der IS derzeit in Syrien schwächen. Das Kalifat ist auch ohne Kobane noch lange nicht am Ende.