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    Leitartikel: Das Dilemma der EZB

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins von 1,0 auf 1,25 Prozent erhöht. Der offizielle Grund dafür ist die steigende Inflation in den Euro-Ländern – sie liegt mittlerweile bei 2,6 Prozent und somit deutlich über jenen zwei Prozent, die für EZB-Präsident Jean-Claude Trichet „die Nadel in unserem Kompass“ ist. Zwar kommt die Zinserhöhung alles andere als überraschend, dennoch hat sie eine kaum zu übersehende Strahlkraft. Zum einen reagieren Europas Zentralbanker erstmals in der Geschichte vor ihren US-Kollegen: Die amerikanische Notenbank hält ihren Zins seit Ende 2008 unverändert bei 0 bis 0,25 Prozent. Zum anderen signalisiert die EZB den Märkten, dass die Zeiten des billigen Geldes langsam, aber sicher zu Ende gehen: Um nach der Finanzkrise die Wirtschaft anzukurbeln, lieh die Zentralbank den europäischen Banken seit Mai 2009 Geld zum historisch niedrigen Preis von nur einem Prozent. Weil die Realzinsen, also Nominalzinsen minus Inflation, auch nach der aktuellen Anhebung negativ bleiben, gehen Experten davon aus, dass die Frankfurter Zentralbanker die Zinsen bis zum Jahresende schrittweise auf zwei Prozent erhöhen werden.

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins von 1,0 auf 1,25 Prozent erhöht. Der offizielle Grund dafür ist die steigende Inflation in den Euro-Ländern – sie liegt mittlerweile bei 2,6 Prozent und somit deutlich über jenen zwei Prozent, die für EZB-Präsident Jean-Claude Trichet „die Nadel in unserem Kompass“ ist. Zwar kommt die Zinserhöhung alles andere als überraschend, dennoch hat sie eine kaum zu übersehende Strahlkraft. Zum einen reagieren Europas Zentralbanker erstmals in der Geschichte vor ihren US-Kollegen: Die amerikanische Notenbank hält ihren Zins seit Ende 2008 unverändert bei 0 bis 0,25 Prozent. Zum anderen signalisiert die EZB den Märkten, dass die Zeiten des billigen Geldes langsam, aber sicher zu Ende gehen: Um nach der Finanzkrise die Wirtschaft anzukurbeln, lieh die Zentralbank den europäischen Banken seit Mai 2009 Geld zum historisch niedrigen Preis von nur einem Prozent. Weil die Realzinsen, also Nominalzinsen minus Inflation, auch nach der aktuellen Anhebung negativ bleiben, gehen Experten davon aus, dass die Frankfurter Zentralbanker die Zinsen bis zum Jahresende schrittweise auf zwei Prozent erhöhen werden.

    Für die europäischen Unternehmen und Verbraucher hat der aktuelle Zinsschritt – zusammen mit den wahrscheinlich folgenden – unterschiedliche Auswirkungen; es kommt ganz darauf an, in welchem Land sie leben. In Deutschland etwa verteuert die damit verbundene Aufwertung des Euro zwar die Exporte nach Übersee. Da jedoch das Gros der Ausfuhren in die EU und somit in den Euro-Raum gehen, dürfte dieser kleine Nachteil kaum ins Gewicht fallen, zumal gleichzeitig die in Dollar abgerechneten Importe von Rohstoffen, insbesondere Öl, billiger werden. Davon abgesehen liegen die Zinsen mit 1,25 Prozent nach wie vor auf extrem niedrigem Niveau – um den Inflationstrend zu stoppen, müssten die Zinsen in einer starken Volkswirtschaft wie Deutschland deutlich höher sein.

    Ganz anders sieht es in krisengeschüttelten Ländern wie Portugal, Irland und Spanien aus. Dort lahmt die Wirtschaft, und mit steigenden Geldkosten wachsen nicht nur die ohnehin hohen Zinslasten für den Staat, sondern auch und vor allem für die privaten Hausbauer. Denn anders als in Deutschland, wo Immobilien meistens langfristig finanziert werden, gibt es in diesen Ländern vor allem Hypothekenkredite mit variablen Zinsen, die jährlich angepasst werden. Insbesondere in Spanien, das unter einer gewaltigen Immobilienkrise leidet, erhöht jeder Zinsschritt das Risiko einer Kettenreaktion: Erst gehen die Kreditnehmer in die Knie, dann ihre Gläubiger, sprich die Banken, und schließlich könnte das Land im schlimmsten Fall dort landen, wo Griechenland, Irland und Portugal schon sind – unter dem europäischen Rettungsschirm.

    Der EZB deshalb einen Vorwurf zu machen, ist unlauter. Denn die Zentralbank steckt in einem Dilemma, das sie nicht lösen kann: Es gibt nun einmal keinen Zinssatz, der beiden gerecht wird – den Starken und den Schwachen. Solange die Euro-Länder ökonomisch so verschieden sind wie heute, ist ein Einheitszins schlichtweg Unsinn. Er ist Teil des Problems, nicht der Lösung.