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    Leitartikel: Bayerns Stärke im Bund

    Landtagswahlen haben in der Regel ein gewisses Maß an Lokalkolorit. Das gilt besonders für Bayern. Der Freistaat weist nicht nur eigene Folklore, Brauchtum und sprachliche Ausprägungen – manche würden sagen eigene Sprache – auf, zu seinen Traditionen gehört auch eine strukturelle Eigenheit der Politik. Die stärkste politische Kraft des Landes, die CSU, ist bayerisches Urgewächs. Sie hat das Land nach dem Krieg geprägt wie keine andere Partei. Sie regiert es seit über sechzig Jahren. Und das Ergebnis kann sich im Vergleich zu anderen Bundesländern sehen lassen, wobei der Vergleich hinkt: Das Modell Bayern ist eben wegen der Eigenheiten nicht nachahmbar.

    Landtagswahlen haben in der Regel ein gewisses Maß an Lokalkolorit. Das gilt besonders für Bayern. Der Freistaat weist nicht nur eigene Folklore, Brauchtum und sprachliche Ausprägungen – manche würden sagen eigene Sprache – auf, zu seinen Traditionen gehört auch eine strukturelle Eigenheit der Politik. Die stärkste politische Kraft des Landes, die CSU, ist bayerisches Urgewächs. Sie hat das Land nach dem Krieg geprägt wie keine andere Partei. Sie regiert es seit über sechzig Jahren. Und das Ergebnis kann sich im Vergleich zu anderen Bundesländern sehen lassen, wobei der Vergleich hinkt: Das Modell Bayern ist eben wegen der Eigenheiten nicht nachahmbar.

    Der bayerische Ministerpräsident hat auf der Abschlusskundgebung der CSU genau auf diesen strukturellen Unterschied hingewiesen, wenn er sagt, Bayern und CSU seien eine Symbiose eingegangen wie nirgendwo sonst. Es gibt in der Tat diese tiefe systemische Verwurzelung, sie hat auch manchen Filz, wie man ihn in Wurzelwerken gelegentlich findet, treiben lassen. Da könnte der CSU etwas mehr Gartenarbeit gut tun und Seehofer bemüht sich auch darum, wie sein Management der Beschäftigungs-Affäre zeigt. Sie spielte im Wahlkampf kaum noch eine Rolle. SPD-Hauptmatador Ude, dessen Partei auch ohne Verwurzelung in den Affärenfilz verstrickt ist, wetterte zuletzt vor allem gegen die PKW-Maut. Gerade der negative Charakter dieser Argumente, das Kritisieren am Gegner und nicht der Verweis auf eigene Leistungen, zeigt deutlich den historisch gewachsenen, inhaltlichen Unterschied zwischen den beiden Parteien und ihren Spitzenleuten. Ude hat Mühe, ein geeignetes Wort zu finden, er hält sich, selbst auf den Wahlplakaten, mit Worthülsen auf.

    Aber gerade die Eigenheit der bayerischen Wahl macht, so paradox das auf den ersten Blick scheinen mag, die Bedeutung für den Bund aus. SPD, FDP und in geringerem Maß auch die Freien Wähler sind Filialen bundesweiter Parteien und als solche auch einem bundesweiten Programm unterworfen. Es ist, als ob immer jemand von außen kontrollierend in die Stube der bayerischen Ableger hineinschaut. Da gibt es kein „Mir san mir“. Es heißt bestenfalls „Mir san wir“, immer lugt da jemand über die Schulter, zeigt ein Programm hoch, das überwiegend nicht aus bayerischen Köpfen kommt. Das Beispiel der Maut-Debatte ist da beredt, ganz gleich, was aus dem Projekt wird. Ein anderes Beispiel ist das Betreuungsgeld. Die CSU hat es durchgesetzt gegen heftigen Widerstand im Bund. Es wäre nicht möglich gewesen, wäre die CSU in Bayern nicht so stark.

    Die absolute Mehrheit, die jetzt im Landtag wieder möglich scheint, macht den Einfluss Bayerns im Bund aus. Bezeichnenderweise stützten sich die beiden CSU-Kanzlerkandidaten der Union, Strauß und Stoiber, auf Mehrheiten in Bayern um die sechzig Prozent. Nur eine in Bayern starke CSU kann auch im Bund stark auftreten und programmatisch wirken. Die kleine Schwester ist kein Zwilling und kein Ableger. Sie hat einen eigenen Charakter, mit dem sie deutlicher als die große Schwester die ursprünglich gemeinsamen Ziele verfolgt. Je stärker sie zuhause ist, umso besser ist das für den Bund. Das ist, angesichts von neun oder vielleicht bald zehn SPD-regierten Bundesländern, eine Binsenweisheit mit Zukunftsperspektive für Deutschland.