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    Lange Blutspur durch Nigeria

    Die Anschläge auf katholische Kirchen in Nigeria am Weihnachtstag haben weltweit Empörung und Entsetzen hervorgerufen. Mindestens 40 Menschen wurden getötet. Papst Benedikt XVI., UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, US-Präsident Barack Obama und zahlreiche andere westliche Politiker verurteilten die Gewalt gegen Christen. Urheber des blutigen Terrors ist nach eigener Darstellung die islamistische Sekte „Boko Haram“. Sie zieht schon lange eine Blutspur durch Nigeria. Mit dem offenen Kampf gegen den Staat hat die sektenähnliche Vereinigung vor etwa zwei Jahren begonnen. Schwer bewaffnete Islamisten verwickelten 2009 die nigerianische Armee in wochenlange Gefechte. Im Norden des Landes wurden 800 Menschen getötet, die Polizei richtete den Anführer der Sekte hin. Seit damals führt „Boko Haram“ einen Rachefeldzug und zündet Bomben vor Militäreinrichtungen, in Biergärten und Kirchen – und sogar vor der UN-Zentrale in der Hauptstadt Abuja.

    In Kämpfen zwischen der nigerianischen Armee und der Sekte „Boko Haram“ sind schon mehrere hundert Menschen getötet word... Foto: dpa

    Die Anschläge auf katholische Kirchen in Nigeria am Weihnachtstag haben weltweit Empörung und Entsetzen hervorgerufen. Mindestens 40 Menschen wurden getötet. Papst Benedikt XVI., UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, US-Präsident Barack Obama und zahlreiche andere westliche Politiker verurteilten die Gewalt gegen Christen. Urheber des blutigen Terrors ist nach eigener Darstellung die islamistische Sekte „Boko Haram“. Sie zieht schon lange eine Blutspur durch Nigeria. Mit dem offenen Kampf gegen den Staat hat die sektenähnliche Vereinigung vor etwa zwei Jahren begonnen. Schwer bewaffnete Islamisten verwickelten 2009 die nigerianische Armee in wochenlange Gefechte. Im Norden des Landes wurden 800 Menschen getötet, die Polizei richtete den Anführer der Sekte hin. Seit damals führt „Boko Haram“ einen Rachefeldzug und zündet Bomben vor Militäreinrichtungen, in Biergärten und Kirchen – und sogar vor der UN-Zentrale in der Hauptstadt Abuja.

    Jetzt wächst der Druck auf Nigerias Regierung. Schnelle und vor allem wirksame Rezepte gegen den Terror hat Nigeria allerdings nicht. Nigerias Regierung wirkt trotz aller derzeit zur Schau gestellten Entschlossenheit hilflos. Der neue Präsident Goodluck Jonathan, ein Christ aus dem Süden, hat es bislang versäumt, mit politischen und wirtschaftlichen Reformen für Ruhe zu sorgen. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist zum Ziel des globalen Terrors geworden. Und zum Hort eines Netzwerks, das auf dem gesamten afrikanischen Kontinent immer weiter wächst. Nach El Kaida im Maghreb scheint „Boko Haram“ nun die neue Filiale im Süden zu werden, für Nigeria und ganz Westafrika südlich der Sahara.

    „Boko Haram“, der Name bedeutet in der Haussa-Sprache „moderne Bildung ist Sünde“. Die Sekte hat es leicht, junge Fanatiker zu rekrutieren. Unter der Masse der perspektivlosen Jugendlichen finden sich immer wieder willige Kämpfer. Die Gewalt im Lande wird sich indes nur eindämmen lassen, wenn die Eliten die sozialen Fragen ins Zentrum ihrer Politik stellen. Unter diesem Blickwinkel ist „Boko Haram“ auch ein Offenbarungseid der Politiker. Besonders der Erdölreichtum Nigerias kommt nicht bei den Menschen an. „Boko Haram“ ist jedoch mehr als nur ein Ventil für sozialen Frust. Die Sekte will den Staat herausfordern und mit den Angriffen auf Christen erzielt sie einen makabren Propagandaeffekt. Ihrer Meinung nach ist die Elite Nigerias für die Situation im Land verantwortlich, ganz gleich ob Christen oder Muslime. Allen gemein ist, dass sie eine westliche Ausbildung erhalten haben. Die Herrschaft der Scharia wäre nach Ansicht von „Boko Haram“ der einzig mögliche Weg, den Sumpf der Korruption trockenzulegen und den wahren Islam durchzusetzen. Aber letztlich geht es nur um eigene Machtansprüche, die mit Religion wenig zu tun haben. Doch wer sind die Hintermänner der Sekte? Sind es die Generäle im islamischen Norden, die die politische Ohnmacht des christlichen Präsidenten vorführen wollen?

    Es bleibt die Frage, warum der Staat nicht viel früher eingegriffen hat: Die Sicherheitskräfte haben diese Fanatiker unbeobachtet anwachsen lassen, sodass sich eine solch große Gruppe mitten in Großstädten auf einen bewaffneten Kampf vorbereiten konnte. Angesichts des hochsensiblen Klimas in der Weihnachtszeit hat man aus bisherigen Erfahrungen nichts gelernt. Warum sonst waren keine Sicherheitskräfte vor Kirchen postiert? Sollte „Boko Haram“ außer Kontrolle geraten, ist der nächste Anschlag nur eine Frage der Zeit.