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    LEITARTIKEL: Spenden für Pakistan

    Will der Westen nicht für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan spenden, weil Land und Leute mit radikalem Islam, Taliban, Terrorismus und einem korrupten Regime gleichgesetzt werden? Dieser Eindruck konnte in den vergangenen Tagen entstehen, als Hilfsorganisationen das geringe Spendenaufkommen im Vergleich zum Erdbeben in Haiti bemängelten. Während die internationale Hilfe erst anläuft, treten die Islamisten vor Ort als schnelle Helfer auf. Die Taliban fordern die pakistanische Regierung auf, Hilfsgelder aus den USA nicht anzunehmen und stellen ihrerseits Hilfen für die Flutopfer in Höhe von 20 Millionen Dollar in Aussicht. Sie versuchen, von der Flutkatastrophe zu profitieren. Damit steht die schwache Regierung in Islamabad unter erheblichem Druck. Eine Destabilisierung des fragilen Atomstaates hätte mit Blick auf die Lage im benachbarten Afghanistan oder in Indien unkalkulierbare Folgen: Die internationale Gemeinschaft steht vor einem Wettlauf gegen Flut, Elend und Zerstörung – und vor einem Wettlauf gegen die Taliban. Während die USA das Trägerschiff USS Peleliu mit etwa 19 Hubschraubern an Bord in die Gewässer vor Karachi entsendet, betätigen sich die Taliban bereits als Hochwasserhelfer und gewinnen bei der Bevölkerung Sympathien.

    Will der Westen nicht für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan spenden, weil Land und Leute mit radikalem Islam, Taliban, Terrorismus und einem korrupten Regime gleichgesetzt werden? Dieser Eindruck konnte in den vergangenen Tagen entstehen, als Hilfsorganisationen das geringe Spendenaufkommen im Vergleich zum Erdbeben in Haiti bemängelten. Während die internationale Hilfe erst anläuft, treten die Islamisten vor Ort als schnelle Helfer auf. Die Taliban fordern die pakistanische Regierung auf, Hilfsgelder aus den USA nicht anzunehmen und stellen ihrerseits Hilfen für die Flutopfer in Höhe von 20 Millionen Dollar in Aussicht. Sie versuchen, von der Flutkatastrophe zu profitieren. Damit steht die schwache Regierung in Islamabad unter erheblichem Druck. Eine Destabilisierung des fragilen Atomstaates hätte mit Blick auf die Lage im benachbarten Afghanistan oder in Indien unkalkulierbare Folgen: Die internationale Gemeinschaft steht vor einem Wettlauf gegen Flut, Elend und Zerstörung – und vor einem Wettlauf gegen die Taliban. Während die USA das Trägerschiff USS Peleliu mit etwa 19 Hubschraubern an Bord in die Gewässer vor Karachi entsendet, betätigen sich die Taliban bereits als Hochwasserhelfer und gewinnen bei der Bevölkerung Sympathien.

    Der frühere Leiter des UN-Umweltprogramms und ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer hat inzwischen dringend zu Spenden für die Opfer der Überschwemmungen aufgerufen. Töpfer, derzeit Vizepräsident der Welthungerhilfe, bezeichnete die Überschwemmungen in Pakistan als ein Jahrhundertereignis, eine Flut, wie man sie nie gekannt habe. Hinzu komme, dass die Bevölkerung in Pakistan durch ideologische und terroristische Auseinandersetzungen zusätzliches Leid ertragen müsse. Töpfer nannte Pakistan einen Prüfstein für die deutsche Solidarität und forderte die Bevölkerung auf, trotz einer möglicherweise korrupten Regierung in Islamabad und der radikal-islamischen Taliban zu spenden. Inzwischen wächst auch die Spendenbereitschaft der Deutschen für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan, wie etwa Caritas International in Freiburg feststellt. Die zunächst zögerliche Spendenbereitschaft dürfte auch darin ihre Ursache haben, dass uns andere dramatische Ereignisse näher lagen – erst die Toten bei der Loveparade in Duisburg, dann die Brände in Russland, die Überschwemmungen in Ostdeutschland und Osteuropa.

    Unverständlich freilich ist das Verhalten des Fernsehens, das Interesse erzeugen und zu Spenden animieren kann. Konkret wurde dies im Rahmen der Hilfsaktion für Haiti: In großen Shows wurden mehrere Millionen Euro Hilfsgelder gesammelt. Diesmal sind keine Spendengalas geplant. Man will „großflächig“ informieren. Etwa 20 Millionen Menschen sollen in Pakistan obdachlos geworden sein. Sechs Millionen sind dringend auf Hilfe angewiesen. Mehr als 1 600 Menschen haben ihr Leben verloren. Die Medien könnten ihre Macht nutzen und eine Spendenoffensive für Pakistan starten – auch mit dem Risiko, dass die Aktion nicht so erfolgreich ist wie im Falle Haitis und weniger Werbung für den eigenen Sender bringt. Eine kleinere Spendensumme wäre immer noch ein Gewinn für die 20 Millionen Obdachlosen. Es gibt daher 20 Millionen gute Gründe für eine Spendengala.

    Von Carl-Heinz Pierk