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    LEITARTIKEL: Es ist Zeit zu handeln

    Die „Gelben Seiten“, werben ihre Herausgeber, machten „das Leben leichter“. In dem Branchenbuch fänden sich „Profis aus jedem Bereich“. Falsch ist das nicht. Nur ist es nicht immer das Leben, dass die dort Werbenden erleichtern wollen. So annonciert zum Beispiel auch die Gesellschaft für Humanes Sterben (DHSG) längst in den „Gelben Seiten“. Dabei nimmt sich der Eintrag der DGHS noch harmlos aus im Vergleich zu der Werbung, die Organisationen wie „Exit“ und „Dignitas“ mittlerweile für sich machen. Seit dieser Woche etwa wirbt „Exit“ mit 45 Sekunden langen Spots im Schweizerischen Fernsehen jeweils vor den Nachrichten. Prominente wie Modemacherin Christa de Carouge, Ex-Fußballtrainer Timo Konietzka oder Schauspieler Walter Andreas Müller trommeln darin für das angebliche Recht des Menschen, Zeitpunkt und Art seines Todes selbst zu bestimmen. Das ist zwar so sinnvoll wie die Behauptung, jeder habe das Recht, Zeitpunkt und Art seiner Geburt zu bestimmen. Doch verhindert die oft übermäßige Furcht, die viele Menschen in den säkularisierten Gesellschaften vor dem Tod empfinden, zuverlässig, dass ihnen die Absurdität des „selbstbestimmten Sterbens“ auch aufgeht.

    Die „Gelben Seiten“, werben ihre Herausgeber, machten „das Leben leichter“. In dem Branchenbuch fänden sich „Profis aus jedem Bereich“. Falsch ist das nicht. Nur ist es nicht immer das Leben, dass die dort Werbenden erleichtern wollen. So annonciert zum Beispiel auch die Gesellschaft für Humanes Sterben (DHSG) längst in den „Gelben Seiten“. Dabei nimmt sich der Eintrag der DGHS noch harmlos aus im Vergleich zu der Werbung, die Organisationen wie „Exit“ und „Dignitas“ mittlerweile für sich machen. Seit dieser Woche etwa wirbt „Exit“ mit 45 Sekunden langen Spots im Schweizerischen Fernsehen jeweils vor den Nachrichten. Prominente wie Modemacherin Christa de Carouge, Ex-Fußballtrainer Timo Konietzka oder Schauspieler Walter Andreas Müller trommeln darin für das angebliche Recht des Menschen, Zeitpunkt und Art seines Todes selbst zu bestimmen. Das ist zwar so sinnvoll wie die Behauptung, jeder habe das Recht, Zeitpunkt und Art seiner Geburt zu bestimmen. Doch verhindert die oft übermäßige Furcht, die viele Menschen in den säkularisierten Gesellschaften vor dem Tod empfinden, zuverlässig, dass ihnen die Absurdität des „selbstbestimmten Sterbens“ auch aufgeht.

    Gott sei Dank stößt die Werbung der „Todesengel“ noch nicht überall auf Gegenliebe. Einen TV-Spot, mit dem „Exit International“ in Australien für die Legalisierung begleiteter Suizide werben wollte, wurde kürzlich von der zuständigen Behörde aus dem Programm gekippt. Grund zur Entwarnung ist das nicht. Denn dass Suizidbegleiter, außer mit Berichten über den begleiteten Suizid von Prominenten – zuletzt im Fall des ehemaligen Flick-Managers Eberhard von Brauchitsch – jetzt sogar im Fernsehen werben, macht vor allem zweierlei deutlich. Erstens: Offensichtlich verfügen die „Todesengel“ selbst über immense Summen an Geld oder über entsprechende Kontakte, die ihnen bei derart sündhaft teuren Aktionen bereitwillig unter die Arme greifen. So oder so aber sind hier Machtzentren entstanden, die ernst zu nehmen sind. Zweitens: Dass „Exit“ und „Exit International“ jetzt TV-Spots einsetzen, zeigt, dass sie das öffentliche Bewusstsein radikal verändern wollen. Das muss in demokratischen Staaten zwar grundsätzlich als zulässig betrachtet werden, sollte aber von den Regierenden auch als Herausforderung begriffen werden. Mit anderen Worten: Es ist Zeit zu handeln. Und das nicht nur in Australien, wo – außer im Norden des Landes – bereits die bloße Verbreitung von Informationen über Suizidmethoden verfolgt werden kann – oder in der Schweiz, wo der Bundesrat ein Gesetzgebungsverfahren für eine Verschärfung der geltenden, freilich überaus laschen Regelungen ins Rollen gebracht hat, sondern auch in Deutschland. Wer nicht handelt, macht sich mitschuldig, wenn das Menschenbild des Grundgesetzes weiter beschädigt wird und schließlich nicht mehr mehrheitsfähig wäre. Aber vielleicht ist es ja genau das, was hinter der jahrelangen Untätigkeit von Regierung und Parlament steht? Statt das Volk zu vertreten, soll es verändert werden. Die dafür erforderliche Arbeit überlässt man – zur Wahrung des Scheins und weil es überdies bequemer ist – anderen.

    Von Stefan Rehder