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    Kritik an „Tötung auf Verlangen“ von Minderjährigem in Belgien

    Brüssel/Bonn (DT/KNA/reh) Die erste Anwendung der Tötung auf Verlangen bei einem Minderjährigen in Belgien ist bei Kirchenvertretern und Patientenschützern auf Protest und Empörung gestoßen. Ein solches Vorgehen nehme Kindern ihr Recht auf Leben, zitiert „Radio Vatikan“ den emeritierten Kurienkardinal Elio Sgreccia. Die Entscheidung wende sich nicht nur gegen die Empfindungen aller Religionen, sondern auch gegen den menschlichen Instinkt. Vor allem Minderjährige bräuchten moralischen, psychologischen und spirituellen Beistand.

    Belgien ist bislang das einzige Land weltweit, in dem auch Kinder um die „Tötung auf Verlangen“ nachsuchen können. Foto: KNA

    Brüssel/Bonn (DT/KNA/reh) Die erste Anwendung der Tötung auf Verlangen bei einem Minderjährigen in Belgien ist bei Kirchenvertretern und Patientenschützern auf Protest und Empörung gestoßen. Ein solches Vorgehen nehme Kindern ihr Recht auf Leben, zitiert „Radio Vatikan“ den emeritierten Kurienkardinal Elio Sgreccia. Die Entscheidung wende sich nicht nur gegen die Empfindungen aller Religionen, sondern auch gegen den menschlichen Instinkt. Vor allem Minderjährige bräuchten moralischen, psychologischen und spirituellen Beistand.

    Die Italienische Bischofskonferenz verurteilte den Fall als „Signal des Todes“. Das Leben sei „heilig und muss immer angenommen werden“, sagte deren Vorsitzender, Kardinal Angelo Bagnasco. Er rief Glaubende und Nichtglaubende auf, dem Leben durch ihr konkretes Zeugnis einen unantastbaren Wert zu geben.

    Auch der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) verurteilt die „Tötung auf Verlangen“ für ein schwerstkrankes Kind in Belgien. „Kinder und Jugendliche brauchen besonderen Schutz, auch und gerade, wenn sie schwer krank sind. Ihre Tötung kann niemals eine Lösung sein!“, so DHPV-Geschäftsführer Benno Bolze. Der DHPV hatte bereits im Jahr 2014 die Entscheidung der Abgeordnetenkammer Belgiens zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe auch für Kinder und Jugendliche massiv kritisiert. „Aktive Sterbehilfe bei einem Kind, wie sie in Belgien laut Medienberichten jetzt erstmals zur Anwendung gekommen ist, ist eine Entscheidung gegen die Schwächsten der Gesellschaft. Sie widerspricht jeglicher Vorstellung von Mitmenschlichkeit. Die Gesellschaft muss dafür Sorge tragen, dass den betroffenen Kindern und Jugendlichen umfangreiche Hilfen und Unterstützung der Hospiz- und Palliativversorgung geben werden, aber keine aktive Sterbehilfe“, so Bolze weiter.

    Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband vertritt die Belange schwerstkranker und sterbender Menschen. Er ist die bundesweite Interessensvertretung der Hospizbewegung sowie zahlreicher Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Als Dachverband der überregionalen Verbände und Organisationen der Hospiz- und Palliativarbeit, so auch des Deutschen Kinderhospizvereins, sowie als Partner im Gesundheitswesen und in der Politik steht er eigenen Angaben zufolge für über 1 000 Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen, in denen sich mehr als 100 000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich engagieren.

    Die „Deutsche Stiftung Patientenschutz“ warf der Politik in Deutschland und Europa Untätigkeit vor. „Niemand nimmt eine solche Lizenz zum Töten zum Anlass, Belgiens Menschenrechtsstandards zu hinterfragen“, sagte der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Weder Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) noch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz noch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seien zu diesem Thema zu hören. „Tötung auf Verlangen ist offenbar kein Aufreger mitten in Europa“, kritisierte Brysch.

    Erstmals seit der Freigabe 2014 hat ein Minderjähriger in Belgien aktive Sterbehilfe erhalten. Das teilte der Vorsitzende der zuständigen nationalen Kontrollbehörde, Wim Distelmans, laut der Zeitung „Het Nieuwsblad“ (Samstag) ohne weitere Details mit. Der oder die Betroffene habe an einer Krankheit im Endstadium gelitten. Zum Glück gebe es nicht viele Kinder und Jugendliche in einer vergleichbaren Situation, so Distelmans. Das bedeute freilich nicht, „dass wir ihnen das Recht auf einen würdigen Tod vorenthalten dürfen“.

    Belgien ist weltweit bislang das einzige Land, in dem auch unheilbar kranke Kinder eine „Tötung auf Verlangen“ erhalten können, wenn sie darum bitten und Experten zu der Ansicht gelangen, dass sie sich der Tragweite dieser Entscheidung bewusst sind. Der Wunsch des Kindes muss laut dem im Februar 2014 erneut liberalisierten Gesetz durch mehrere Experten bestätigt werden; auch die Eltern müssen der Entscheidung des Kindes zustimmen. Gegner hatten damals kritisiert, dass der Gesetzgeber Kindern, die weder ein Konto eröffnen, noch ein Haus oder Auto kaufen dürften, das Recht einräume, ihre eigene Tötung zu verlangen.

    Die beiden Benelux-Staaten Niederlande und Belgien hatten 2002 als erste Länder weltweit die „Tötung auf Verlangen“ legalisiert. Nachbar Luxemburg folgte 2009.