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    Krankenkassen werben für Organspender

    Hamburg/München (DT/KNA/reh) Trotz des Transplantationsskandals startet die Techniker Krankenkasse (TK) als erste große Kasse morgen eine Informationskampagne für die Organspende. Alle rund 7 Millionen Versicherten über 16 Jahre erhalten dann nach und nach eine Sonderausgabe des Kundenmagazins zum Thema Organspende mitsamt einem Organspendeausweis. Der Versand soll zunächst in Hamburg und Berlin beginnen. Insgesamt sind vier Tranchen vorgesehen. Die Kosten belaufen sich nach TK-Angaben auf rund vier Millionen Euro. Am Donnerstag tritt eine Reform des Transplantationsgesetzes in Kraft. Nach der dann geltenden „Entscheidungslösung“ werden künftig alle Bürger über 16 Jahre regelmäßig über ihre Organspendebereitschaft befragt. Die privaten und gesetzlichen Krankenkassen wurden verpflichtet, innerhalb der kommenden zwölf Monate die Spendebereitschaft ihrer Mitglieder abzufragen und Organspendeausweise zur Verfügung zu stellen. Die Versicherten können dabei einer Organspende zustimmen, sie ablehnen oder erklären, dass sie sich zunächst nicht entscheiden möchten. Die Kassen sind zudem verpflichtet, qualifizierte Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen.

    Hamburg/München (DT/KNA/reh) Trotz des Transplantationsskandals startet die Techniker Krankenkasse (TK) als erste große Kasse morgen eine Informationskampagne für die Organspende. Alle rund 7 Millionen Versicherten über 16 Jahre erhalten dann nach und nach eine Sonderausgabe des Kundenmagazins zum Thema Organspende mitsamt einem Organspendeausweis. Der Versand soll zunächst in Hamburg und Berlin beginnen. Insgesamt sind vier Tranchen vorgesehen. Die Kosten belaufen sich nach TK-Angaben auf rund vier Millionen Euro. Am Donnerstag tritt eine Reform des Transplantationsgesetzes in Kraft. Nach der dann geltenden „Entscheidungslösung“ werden künftig alle Bürger über 16 Jahre regelmäßig über ihre Organspendebereitschaft befragt. Die privaten und gesetzlichen Krankenkassen wurden verpflichtet, innerhalb der kommenden zwölf Monate die Spendebereitschaft ihrer Mitglieder abzufragen und Organspendeausweise zur Verfügung zu stellen. Die Versicherten können dabei einer Organspende zustimmen, sie ablehnen oder erklären, dass sie sich zunächst nicht entscheiden möchten. Die Kassen sind zudem verpflichtet, qualifizierte Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen.

    Andere große Krankenkassen wie die Barmer GEK und die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) wollen ihren Mitgliedern erst im kommenden Jahr gesonderte Informationen und einen Spenderausweis zuschicken. Die AOK will gegen Jahresende in einigen Regionen beginnen. Der Grund: die Verunsicherung, die die Organspendeskandale in Regensburg, Göttingen und München bei der Bevölkerung ausgelöst haben. Dort waren Daten manipuliert worden, um gezielt die Chancen von Patienten auf der Warteliste zu verbessern.

    Zahl der Organspender sinkt: Acht Prozent weniger als 2011

    Deutschlands größte Betriebskrankenkasse, die Siemens BK, hatte im Sommer die geplante Versorgung ihrer eine Million Versicherter mit Organspendeausweisen gestoppt. Die Techniker Krankenkasse begründet ihr schnelles Vorgehen gerade mit der herrschenden Verunsicherung. Die zuständige Pressereferentin Michaela Hombrecher verwies auf Erkenntnisse einer Kampagne für mehr Organspenden, die die TK seit dem Frühjahr mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durchführt: „Das Wissen der Bürger über die Organspende ist sehr gering“, analysiert Hombrecher. „Den meisten ist nicht einmal klar, dass man auf dem Spenderausweis auch sein Nein zur Organspende dokumentieren kann.“ Auch, dass vor einer Entnahme erst in einem komplizierten Verfahren der Hirntod festgestellt werden müsse, sei weithin unbekannt. Hintergrund der Reform des Transplantationsgesetzes ist es, dass Deutschland mit 14,7 Organspendern pro einer Million Einwohner europaweit im hinteren Drittel liegt. Die Zahl der Spender und der gespendeten Organe stagniert seit langem, während 12 000 Menschen auf der Warteliste händeringend auf ein neues Organ warten. Pro Tag sterben drei von ihnen. Wegen der jüngsten Skandale in der Transplantationsmedizin sinkt die Zahl der Organspenden in Deutschland offenbar drastisch. Von Januar bis September zählte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) 829 Organspender. Das sind knapp acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

    Am Freitag erst waren am Münchener Universitätsklinikum Rechts der Isar neue Verdachtsmomente für weitere Manipulationen entdeckt worden. Der Klinikvorstand beschloss daraufhin, vorerst keine neuen Patienten auf die Warteliste für Lebertransplantationen aufzunehmen. Das teilte der Aufsichtsratschef des Klinikums, Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) in München mit. Patienten, die noch auf der Warteliste stünden, würden jedoch bei einem entsprechenden Spenderangebot noch eine Lebertransplantation erhalten, hieß es. An dem Klinikum sollen Mediziner in der Vergangenheit Diagnosedaten gefälscht haben, um Patienten zu einer Organtransplantation zu verhelfen. Zu der Anzahl und Art der neuen Verdachtsfälle wollten auf Nachfrage weder das Wissenschaftsministerium noch die Klinik Auskunft geben. Das Klinikum hatte eigenen Angaben zufolge eine Task Force damit betraut, die Lebertransplantationen der vergangenen Jahre zu prüfen. Ziel sei es, vollständige Transparenz zu schaffen und Schwachstellen zu beseitigen. Den bedauerlichen neuen Fällen werde nun im Detail nachgegangen, sagte eine Sprecherin.