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    Kommentar

    Menschenverachtend. Von Stefan Rehder

    Es gibt gute Gründe, gegen die Todesstrafe zu sein. Christen finden solche sogar dann, wenn es sich bei den zum Tode Verurteilten um Schwerverbrecher handelt. Und es gibt gute Gründe, gegen die Tötung ungeborener Menschen im Mutterleib zu sein. Christen berühren dann nicht nur die Schicksale der wehrlosen, unschuldigen Kinder, sondern auch die ihrer Mütter. Sogar dann, wenn diese einmal nicht von den Kindsvätern oder ihrem sonstigen Umfeld zu diesem „abscheulichen Verbrechen“ (II. Vatikanisches Konzil) gedrängt wurden. Viele verfolgt eine solche Tat für den Rest ihres Lebens. Manche zerbrechen daran. Was sich indes niemandem erschließt, ist, wie man zugleich gegen die Todesstrafe eintreten, aber für die Legalisierung vorgeburtlicher Kindstötungen mobil machen kann. Zumindest niemandem, der in der Lage ist, mehr als eine Gehirnzelle gleichzeitig in Betrieb zu nehmen.

    Peter Benenson rotierte vermutlich vor Zorn im Grab, müsste er mit ansehen, wie die von ihm 1961 gegründete Menschenrechtsorganisation Amnesty International mittlerweile sein Erbe verwaltet. Der britische Rechtsanwalt, der als Peter James Henry Solomon 1921 in London in eine jüdische Familie hineingeboren wurde, konvertierte 1958 zum katholischen Glauben und schloss sich später der Friedensbewegung Pax Christi an.

    Solange Benenson lebte, nahm die Menschenrechtsorganisation, die sich ursprünglich dem Kampf gegen die Folter und Hinrichtung politischer Gefangener verschrieben hatte, in der Abtreibungsfrage eine neutrale Haltung ein. Das lässt sich verstehen. Wer erfolgreich sein will, muss sich fokussieren können und darf nicht an zu vielen Fronten gleichzeitig kämpfen.

    Damit ist es bei Amnesty längst vorbei. Schon zwei Jahre nach Benensons Tod im Jahre 2005 begann die einflussreiche Menschenrechtsorganisation, einen Feldzug für die Legalisierung vorgeburtlicher Kindstötungen zu führen. Nun will sie ihn – offenbar ermutigt durch den Ausgang des irischen Referendums – weiter forcieren (siehe S. 5). Das ist nicht nur Verrat an der eigenen Gründungsgeschichte. Das ist auch menschenverachtend.

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