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    Kommentar: Zivilcourage in der CDU

    Erwin Teufel ist kein strammer Nationalkonservativer, kein wirtschaftspolitischer neoliberaler Hardliner oder umgekehrt ein ausgesprochener Herz-Jesu-Katholik – und kein katholischer Traditionalist. Er kennt das Kompromisse-Machen aus seiner aktiven Zeit als Politiker der CDU, als baden-württembergischer Ministerpräsident, er ist mit seinen innerkatholischen Reformforderungen nicht bei jedem Stammwähler der Union, für den das „C“ Priorität genießt, beliebt – wenn also ein CDU-Mann aus der Mitte der Gesellschaft und der Partei, der eher Brücken zwischen innerparteilichen Lagern baut als sie abreißt, öffentlich in der jüngsten Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ seiner Partei die Leviten liest, dass sie auf dem falschen Weg ist, dann sollte das diese Partei endlich ernstnehmen. Einen Friedrich Merz, Werner Münch oder katholischen Arbeitskreis konnte die CDU noch als angeblich vernachlässigenswerte „Rand“-Größen kleinreden – einen Erwin Teufel nicht. Er ist einer von denen, die die Kritisierten der Parteiführung bisher an ihrer Seite gedacht hatten. Das ist das eigentlich Neue an der innerparteilichen Parteikritik, das, was aufhorchen lässt.

    Erwin Teufel ist kein strammer Nationalkonservativer, kein wirtschaftspolitischer neoliberaler Hardliner oder umgekehrt ein ausgesprochener Herz-Jesu-Katholik – und kein katholischer Traditionalist. Er kennt das Kompromisse-Machen aus seiner aktiven Zeit als Politiker der CDU, als baden-württembergischer Ministerpräsident, er ist mit seinen innerkatholischen Reformforderungen nicht bei jedem Stammwähler der Union, für den das „C“ Priorität genießt, beliebt – wenn also ein CDU-Mann aus der Mitte der Gesellschaft und der Partei, der eher Brücken zwischen innerparteilichen Lagern baut als sie abreißt, öffentlich in der jüngsten Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ seiner Partei die Leviten liest, dass sie auf dem falschen Weg ist, dann sollte das diese Partei endlich ernstnehmen. Einen Friedrich Merz, Werner Münch oder katholischen Arbeitskreis konnte die CDU noch als angeblich vernachlässigenswerte „Rand“-Größen kleinreden – einen Erwin Teufel nicht. Er ist einer von denen, die die Kritisierten der Parteiführung bisher an ihrer Seite gedacht hatten. Das ist das eigentlich Neue an der innerparteilichen Parteikritik, das, was aufhorchen lässt.

    Denn inhaltlich ist das, was Teufel kritisiert, ja keine neue Kritik. Eine unkenntlich gewordene Wirtschaftspolitik, sozialdemokratische Bildungspolitik, eine mutlose Europapolitik, die Vernachlässigung der christlichen Stammwähler auf dem Weg an die vermeintlich fetten Wählertöpfe der neuen deutschen Urbanität und Bürgerlichkeit, Politik reduziert auf eine bloße „Technik der Mehrheitsfindung“ (Teufel), um alles das weiß die CDU, verdrängt es aber. Sie kann es jedoch nicht weiter verdrängen, höchstens um den Preis der weiteren Marginalisierung. Was die Partei braucht, ist, dass diejenigen, die wissen, dass Teufel recht hat, ihre innerparteiliche Ängstlichkeit und Angepasstheit aufgeben, und den Parteivorstand zu inhaltlichen Grenzziehungen zwingen zwischen dem, was original CDU ist und was nicht – selbst wenn es derzeit der eigenen Karriere nicht förderlich ist. Zivilcourage nennt man so was.