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    Kommentar: Wie die Pflege besser pflegen?

    Wir wissen alle, dass die Betreuung Pflegebedürftiger in Deutschland zu Hause und in Heimen, die menschliche Zuwendung an die Alten und Schwachen mit einer professionellen Berufsbegleitung und emotionaler Unterstützung der Pflegekräfte und Angehörigen verbindet, und gleichzeitig die Träger der Einrichtungen sowie Familien nicht zu viel kostet, in weiter Ferne liegt – jetzt haben zwei Heime der Caritas in Mönchengladbach für Schlagzeilen gesorgt, in denen es erstens zu einem lebensgefährlichen Fehler bei der Wundbehandlung einer Patientin gekommen sein soll und zweitens ein Bewohner wegen akuten Flüssigkeitsmangel in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, wo er verstarb. Es wird noch ermittelt, welche Verantwortung die Heime und ihre Mitarbeiter trifft oder nicht trifft – aber die Öffentlichkeit ist sogleich empört. Die neue Gesundheitsministerin in Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens (Grüne), regt eine Eingreiftruppe für Pflegeheime an und Eugen Brysch, Chef der Deutschen Hospizstiftung, fordert einen höheren Ermittlungsdruck auf Pflegeheime durch Schwerpunktstaatsanwaltschaften. So verständlich nun diese Reaktionen sind, sie sind kein Allheilmittel.

    Wir wissen alle, dass die Betreuung Pflegebedürftiger in Deutschland zu Hause und in Heimen, die menschliche Zuwendung an die Alten und Schwachen mit einer professionellen Berufsbegleitung und emotionaler Unterstützung der Pflegekräfte und Angehörigen verbindet, und gleichzeitig die Träger der Einrichtungen sowie Familien nicht zu viel kostet, in weiter Ferne liegt – jetzt haben zwei Heime der Caritas in Mönchengladbach für Schlagzeilen gesorgt, in denen es erstens zu einem lebensgefährlichen Fehler bei der Wundbehandlung einer Patientin gekommen sein soll und zweitens ein Bewohner wegen akuten Flüssigkeitsmangel in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, wo er verstarb. Es wird noch ermittelt, welche Verantwortung die Heime und ihre Mitarbeiter trifft oder nicht trifft – aber die Öffentlichkeit ist sogleich empört. Die neue Gesundheitsministerin in Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens (Grüne), regt eine Eingreiftruppe für Pflegeheime an und Eugen Brysch, Chef der Deutschen Hospizstiftung, fordert einen höheren Ermittlungsdruck auf Pflegeheime durch Schwerpunktstaatsanwaltschaften. So verständlich nun diese Reaktionen sind, sie sind kein Allheilmittel.

    Denn selbst wenn die Politik Entscheidungen trifft wie die, einen Pflege-TÜV einzuführen oder mehr Staatsanwälte auf Heime anzusetzen, können die nicht alle Missstände erkennen und beseitigen. Das gerät zum Hase und Igel-Spiel. Die Pflege ist nichts, was mittels möglichst präziser staatlicher Reglementierung automatisch funktioniert. Sie lässt sich nicht bürokratisch perfektionieren. Wir müssen akzeptieren, dass Pflege für Betroffene und Pflegende eine hohe Belastung ist, die jeden überfordern kann und darf. Jeder einzelne Bürger muss sich deshalb fragen, wie er helfen kann – in der Nachbarschaft, im Ehrenamt, beruflich als Heimleitung oder Führungskraft eines Trägers, als Pflegekraft, als Krankenkassenangestellte, in der Dienstaufsicht, als Polizist oder Staatsanwalt, als Lobbyist –, um besser mit dieser latenten Überforderung umgehen zu können. Ein neues Pflegeethos ist der erste Schritt.

    von johannes seibel