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    Kommentar: Überlebt Syrien als Staat?

    Man kann nicht alles haben, möchte man der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton zurufen. Man kann in Syrien nicht einen verdeckten Stellvertreterkrieg gegen den Iran führen, die Opposition nach Kräften der CIA mit militärisch entscheidenden Geheimdiensterkenntnissen versorgen, deren Aufrüstung durch die „Partner“ in Katar und Saudi-Arabien dulden und gleichzeitig die Gefahr eines Religionskrieges und dschihadistischer Infiltration beklagen. „Wir müssen sehr klare Signale aussenden, um einen konfessionellen Krieg zu vermeiden“, hat sie am Dienstag in Südafrika gesagt. Allein: Der ist längst da! Die westliche, auch in den Medien der freien Welt seit Ausbruch der Unruhen im März 2011 willfährig transportierte Lesart lautet: Ein Volk steht mehr oder weniger vereint auf gegen einen brutalen Despoten. Das war und ist nur zur Hälfte richtig, denn von dieser Einigkeit konnte von Anfang an nicht die Rede sein.

    Man kann nicht alles haben, möchte man der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton zurufen. Man kann in Syrien nicht einen verdeckten Stellvertreterkrieg gegen den Iran führen, die Opposition nach Kräften der CIA mit militärisch entscheidenden Geheimdiensterkenntnissen versorgen, deren Aufrüstung durch die „Partner“ in Katar und Saudi-Arabien dulden und gleichzeitig die Gefahr eines Religionskrieges und dschihadistischer Infiltration beklagen. „Wir müssen sehr klare Signale aussenden, um einen konfessionellen Krieg zu vermeiden“, hat sie am Dienstag in Südafrika gesagt. Allein: Der ist längst da! Die westliche, auch in den Medien der freien Welt seit Ausbruch der Unruhen im März 2011 willfährig transportierte Lesart lautet: Ein Volk steht mehr oder weniger vereint auf gegen einen brutalen Despoten. Das war und ist nur zur Hälfte richtig, denn von dieser Einigkeit konnte von Anfang an nicht die Rede sein.

    Der multireligiöse Vielvölkerstaat Syrien – ein Kunstprodukt des kolonialen Frankreich – ist ähnlich wie das ehemalige Jugoslawien eigentlich nicht reformierbar. Mag sein, dass Assad den Druck im Kessel durch das Ausbleiben von Reformen erhöht hat. Doch bleibt das Grundproblem, dass der Konsens zwischen den Ethnien und Religionen zu gering ist, um einen gemeinsamen Staat aufrecht zu erhalten. Will man dies aber, dann ist das wie weiland in Jugoslawien nur mit permanenter Repression und nötigenfalls brachialer Gewalt möglich. Assads Vater Hafiz hat das 1982 in der Sunni-Hochburg Hama vorgemacht, als er an – Schätzungen sprechen von bis zu 30 000 – Sunniten ein Exempel statuieren ließ. Danach herrschte in Syrien Grabesruhe. Mit dieser ist es nun vorbei. Vor diesem Hintergrund war auch der Annan-Plan von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Denn aufgrund der äußeren Unterstützung war die entfachte innersyrische Fliehwirkung samt ihrer Alles-oder-nichts-Strategie – Assad oder wir – nicht mehr zu stoppen. Die Frage ist deshalb längst nicht mehr, ob es ein demokratisches Syrien geben wird, sondern ob Syrien als Staat überleben wird.