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    Kommentar: Trump erhöht die Terrorgefahr

    Mit seinem Einreiseverbot für die Bürger von sieben mehrheitlich muslimischen Ländern und für Flüchtlinge hat Donald Trump die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Der Mann kommt aus dem emotionalen Wahlkampfmodus nicht heraus und hat offenbar weder Lust noch Talent zu weltpolitischer Verantwortung. Bei allem Verständnis für die berechtigte Sorge um die Sicherheit der Weltmacht Nummer Eins: Trumps Dekret ist Wasser auf die Mühlen all jener terrorbereiten islamistischen Bewegungen, die vom Feindbild Amerika leben. Selbst George W. Bush versuchte – wenngleich wenig geschickt – den Eindruck zu vermeiden, der amerikanische Krieg gegen den Terror sei ein Krieg gegen den Islam. Um solche Feinheiten schert sich Trump wenig: Er stellt eine ganze Kette von Ländern unter Generalverdacht und macht diese unsichere Welt damit noch unsicherer.

    Stephan Baier Foto: DT

    Mit seinem Einreiseverbot für die Bürger von sieben mehrheitlich muslimischen Ländern und für Flüchtlinge hat Donald Trump die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Der Mann kommt aus dem emotionalen Wahlkampfmodus nicht heraus und hat offenbar weder Lust noch Talent zu weltpolitischer Verantwortung. Bei allem Verständnis für die berechtigte Sorge um die Sicherheit der Weltmacht Nummer Eins: Trumps Dekret ist Wasser auf die Mühlen all jener terrorbereiten islamistischen Bewegungen, die vom Feindbild Amerika leben. Selbst George W. Bush versuchte – wenngleich wenig geschickt – den Eindruck zu vermeiden, der amerikanische Krieg gegen den Terror sei ein Krieg gegen den Islam. Um solche Feinheiten schert sich Trump wenig: Er stellt eine ganze Kette von Ländern unter Generalverdacht und macht diese unsichere Welt damit noch unsicherer.

    Schlimmer noch: Er nimmt auch die Dissidenten und Brückenbauer jener Länder in Geiselhaft für die Regime, gegen die sie mutig opponieren. So sind auch Hunderttausende iranische Dissidenten in Europa, die als Regimegegner nicht in ihre Heimat reisen dürfen, von Trumps Dekret miterfasst. Ebenso die mit den USA verbündeten Kurden im Irak. Kein Problem haben dagegen weiterhin saudische Staatsbürger, obgleich – wie der New Yorker Trump wissen sollte – die Mehrheit der Attentäter von 9/11 Saudis waren. Saudi-Arabien, der große Exporteur von Erdöl, Terrorismus und sunnitischer Radikalisierung, ist also auch unter Donald Trump unantastbar. Stattdessen wendet sich Trumps Einreiseverbot gegen die Bürger von Staaten, die – nicht nur, aber doch maßgeblich – von den USA in jenen traurigen Zustand versetzt wurden, in dem sie heute sind, etwa der Irak, Syrien und Libyen. Sicher, das Terrorgefahr produzierende Chaos in diesen drei Ländern kann nicht Donald Trump selbst angelastet werden, sondern seinen Vorgängern. Doch jeder Regierungschef muss mit dem Erbe seiner Amtsvorgänger leben: Barack Obama erbte von Bush die Folgen der Kriege gegen Afghanistan und den Irak, und auch Trump beginnt nicht bei Null – obgleich er leider so agiert.