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    Berlin

    Kommentar: Todfeind Parteifreund

    Die CDU muss in der derzeitigen Krise aufpassen, dass die rhetorischen Sicherungen nicht durchbrennen.

    Die Zukunft der CDU
    Für Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, Politik aus dem Geist des christlichen Menschenbildes zu betreiben, kann ... Foto: Federico Gambarini (dpa)

    Seht wie sie einander lieben. Klar, eine Partei ist keine Gemeinde. Aber für Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, Politik aus dem Geist des christlichen Menschenbildes zu betreiben, kann die Frage des angemessenen Umgangs miteinander kein Nebenaspekt sein. Wer die CDU beobachtet, muss  zur Kenntnis nehmen, dass dort ganz offensichtlich dieses  Wort des römischen Schriftstellers Tertullian nicht gilt, der so voller Staunen die ersten Christen beschrieben hat.

    Eine Partei ist kein Mädchenpensionat

    In der Union scheint man vielmehr die alte Stammtisch-Weisheit verinnerlicht zu haben: Feind, Todfeind, Parteifreund. Keine Frage, eine Partei ist kein Mädchenpensionat. Und es ist ja gut, wenn sich politische Leidenschaft gerade  im demokratischen Streit Bahn bricht. Aber scharfe Argumente dürfen nicht mit persönlichen Beleidigungen einhergehen. Wenn Kritiker der Werte-Union, diesen Zusammenschluss konservativer CDU-Anhänger als „Krebsgeschwür“ bezeichnen, dann ist eine Grenze überschritten.

    Allerdings muss den Konservativen gesagt werden: Auch in ihrem Lager fehlt einigen manchmal der Sinn für den richtigen Ton - obwohl ja gerade Konservative hier eine besondere Sensibilität aufbringen sollten. Da kann man bei manchen vom „Merkel-Regime“ oder der „Merkel-Diktatur“ lesen. Die Politik der Kanzlerin darf und muss, gerne auch scharf kritisiert werden. Aber diese Kritik kann doch nicht darin münden, die Bundesrepublik als Demokratie in Frage zu stellen. Das ist genauso unverhältnismäßig wie die Diffamierung der FDP als „faschistisch“ durch Antifa-Aktivisten.

    An die Splitter im eigenen Auge denken

    Was tun, damit die rhetorischen Sicherungen nicht durchbrennen? Von CDU-Gründervater Konrad Adenauer stammt der Satz: „Wir müssen die Menschen so nehmen wie sie sind. Wir haben keine anderen.“ Dass kann auch heißen: Natürlich muss man andere und ihre Fehler kritisieren. Aber an die Splitter im eignen Auge darf man dabei auch denken.

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