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    Kommentar: Syriens Christen in Gefahr

    Täglich erreichen uns neue Schreckensmeldungen aus Syrien: Die Medien zeigen uns fliehende Massen und ein Regime, das auf seine Bürger schießen lässt. Doch der Patriarch der mit Rom unierten Melkiten, Gregorios III. Laham, wettert gegen die Einmischung des Auslands und überzeichnete Medienberichte, lehnt ein militärisches Eingreifen ab und verteidigt die Entwicklung der vergangenen Jahre. Wie soll man das verstehen? Verteidigt der weltgewandte Kirchenführer ein grausames Regime? Oder kann der Patriarch vielleicht gar nicht frei reden? Die Antwort gibt Patriarch Gregorios selbst: „Wir sind die ersten Opfer, wenn es zu einem Chaos kommt. Und wenn es so weitergeht, kommt es zu einem Chaos!“

    Täglich erreichen uns neue Schreckensmeldungen aus Syrien: Die Medien zeigen uns fliehende Massen und ein Regime, das auf seine Bürger schießen lässt. Doch der Patriarch der mit Rom unierten Melkiten, Gregorios III. Laham, wettert gegen die Einmischung des Auslands und überzeichnete Medienberichte, lehnt ein militärisches Eingreifen ab und verteidigt die Entwicklung der vergangenen Jahre. Wie soll man das verstehen? Verteidigt der weltgewandte Kirchenführer ein grausames Regime? Oder kann der Patriarch vielleicht gar nicht frei reden? Die Antwort gibt Patriarch Gregorios selbst: „Wir sind die ersten Opfer, wenn es zu einem Chaos kommt. Und wenn es so weitergeht, kommt es zu einem Chaos!“

    Auch wenn es seitens radikaler Muslime diese Unterstellung immer wieder gibt: Die Christen im Orient sind keine Agenten des Westens, sondern solidarisch mit ihren Gesellschaften. Mit dem Westen, seinem Pathos und seinen Interventionen haben sie seit einem Jahrhundert schlechte Erfahrungen gemacht. Der Westen beschützte weder die christlichen Armenier noch später die libanesischen Maroniten und die ägyptischen Kopten. Unter den osmanischen Sultanen konnte das Christentum Kleinasiens in Millionenstärke überleben, doch unter britischer Regie wurde es in Lausanne 1923 dem türkischen und griechischen Nationalismus geopfert. Im Irak ist das Christentum erst seit dem amerikanischen Einmarsch 2003 vor dem Verlöschen.

    Mag schon sein, dass Saddam Hussein ebenso wie Hafiz und Bashar al-Assad die Christen nur tolerierten, weil diese in säkularen Diktaturen ein machtpolitisches Gegengewicht gegen den politischen Islam bilden, weil sie überdurchschnittlich gebildet und als Minderheit ein Faktor staatlicher Stabilisierung sind. Tatsache ist, dass die Christen im Irak bis 2003 und in Syrien bis heute ihren Glauben relativ frei praktizieren können. Syriens Christen wussten diese Freiheit zu nutzen – und sehen sie jetzt akut gefährdet. Dass der Westen im Orient blühende Rechtsstaaten schaffen will oder kann – darauf wagen sie nicht mehr zu hoffen.