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    Kommentar: Streitpunkt China

    Grobschnittig ist es, wenn Kardinal Joseph Zen, der emeritierte Bischof von Hongkong, dem Vatikan vorwirft, er würde die katholische Kirche in China „hintergehen“. Von Guido Horst

    Die Lage der katholischen Kirche im Reich der Mitte ist überaus komplex. China-Reisende, die das Land kennen und die Gemeinden dort besucht haben, berichten davon, dass die etwas grobschnittige Gegenüberstellung, mit der man von Europa aus zwischen der Patriotischen Vereinigung der vom kommunistischen Regime kontrollierten Kirche und der romtreuen Untergrundkirche unterscheidet und das zum Grundmuster aller kirchlichen Realitäten und Lebensvollzüge im fernen China macht, je nach Landesteil auch Grautönen und Abstufungen unterworfen ist.

    Grobschnittig ist es aber auch, wenn Kardinal Joseph Zen, der emeritierte Bischof von Hongkong, dem Vatikan vorwirft, er würde die katholische Kirche in China „hintergehen“. Das tat er in einer Mitteilung auf seiner Web-Seite, nachdem ihn Papst Franziskus zu einem persönlichen Gespräch eingeladen hatte, in dem es um die Bischöfe der Untergrundkirche ging und Franziskus für diese „Worte des Zuspruchs“ gefunden hatte, wie der Kardinal selber erklärte.

    Man weiß, dass der weit über achtzig Jahre alte Kardinal ein Gegner der vatikanischen Diplomatie ist, die mit einem Regime zurecht kommen muss, das nicht nur die absolute Kontrolle über alle Religionsgemeinschaften in dem Riesenreich behalten will und jede ausländische Einflussnahme abzuwehren versucht, sondern auch eine vollständige Siniisierung – man könnte auch sagen „Chinaisierung“ – des Katholischen anstrebt.

    Seit einiger Zeit gibt es wieder einen zarten Gesprächsfaden zwischen dem Regime und vatikanischen Delegationen, von diplomatischen Beziehungen ist man weit entfernt. Da für ein wenig „Freiheit der Kirche“ in China zu sorgen und wenigstens halbwegs die Besetzung der Bischofssitze sicherzustellen, ist extrem schwierig. Da gibt es auch keine Patentrezepte. Das muss auch der „Hardliner“ Kardinal Zen einsehen. Seine jetzt vorgebrachte Anschuldigung des Vatikans ist wenig hilfreich. China ist nun einmal ein Fall, wo von der Sache her nicht alles „glatt laufen“ kann.

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