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    Kommentar: Schafft Italien die Wende?

    Blass und bleich sitzen viele italienischen Politiker in Talkshows oder Pressekonferenzen. Für diese Jahreszeit und für Italien ist das ungewöhnlich. Ende August kommt man stark gebräunt vom Meer oder aus den Bergen in die Hauptstadt zurück und nimmt allmählich wieder die Fäden des politischen Lebens auf. In diesem Sommer war das nicht der Fall. Regierungschef Enrico Letta hat durchgearbeitet, sein Kabinett hat keine Ferien eingelegt, Silvio Berlusconi hat in seiner Privatvilla bei Mailand mit Vertrauten und politischen Freunden durchverhandelt, immer wieder ging es den – bleichen – Journalisten, Parteiführern und Politikern in den üblichen Diskussionssendungen um eine Frage: Hält die Regierung Letta? Und dahinter die eigentliche Frage: Kann sich das Land von Silvio Berlusconi lösen, nachdem dieser zwanzig Jahre lang das politische Italien im Griff gehalten hat? Diese Frage ist keine politische, eher eine psychologische – oder volkspathologische.

    Blass und bleich sitzen viele italienischen Politiker in Talkshows oder Pressekonferenzen. Für diese Jahreszeit und für Italien ist das ungewöhnlich. Ende August kommt man stark gebräunt vom Meer oder aus den Bergen in die Hauptstadt zurück und nimmt allmählich wieder die Fäden des politischen Lebens auf. In diesem Sommer war das nicht der Fall. Regierungschef Enrico Letta hat durchgearbeitet, sein Kabinett hat keine Ferien eingelegt, Silvio Berlusconi hat in seiner Privatvilla bei Mailand mit Vertrauten und politischen Freunden durchverhandelt, immer wieder ging es den – bleichen – Journalisten, Parteiführern und Politikern in den üblichen Diskussionssendungen um eine Frage: Hält die Regierung Letta? Und dahinter die eigentliche Frage: Kann sich das Land von Silvio Berlusconi lösen, nachdem dieser zwanzig Jahre lang das politische Italien im Griff gehalten hat? Diese Frage ist keine politische, eher eine psychologische – oder volkspathologische.

    Vor fast zwei Jahren ist der Cavaliere nach entsprechendem Druck aus Brüssel, Berlin und Paris von seinem Amt als Regierungschef zurückgetreten. Mario Monti hat das Vertrauen des Auslands in Italien zurückgewonnen und sein Nachfolger Letta hat alles getan, um dieses Bemühen erfolgreich fortsetzen. Dass sich in diesen zwei Jahren – trotz handlungsfähiger Regierungen, die mit der Unterstützung der beiden größten italienischen Parteien die großen anstehenden Reformaufgaben des Landes anpacken und die wirtschaftliche Rezession beenden könnten – dennoch alles um Berlusconi drehte, kann im Ausland wohl niemand mehr verstehen. Es ist schlicht und einfach nicht vermittelbar. Man muss in Italien leben, um zu erahnen, warum Berlusconi diese Ausstrahlung hat. Dabei ist es nicht so, dass nur der bald 77-jährige Cavaliere die Politik nicht loslassen kann. Auch seine Gegner können sich vom „Feindbild Berlusconi“ nicht lösen. Der jüngste Erfolg der Regierung Letta in der Frage der Immobiliensteuer lässt hoffen, dass Italien jetzt vor einer Wende steht. Das wäre höchste Zeit (siehe Seite 2).