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    Kommentar: Riads ungewisse Zukunft

    König Abdullah von Saudi-Arabien ist tot. Mit ihm starb ein Reformer von oben. Vorsichtig versuchte er etwa im Bereich der Frauenrechte und der Bildung eine Modernisierung, die weite Teile der apathischen Bevölkerung wie des konservativen Establishments irritierte. Als erster saudischer Monarch überhaupt besuchte er den Vatikan, um Papst Benedikt zu treffen. Für interreligiöse Dialogveranstaltungen, die der König einberief und an denen nicht nur Monotheisten teilnahmen, waren die Monarchen des Landes bislang nicht bekannt. Dennoch: Saudi-Arabien blieb auch unter ihm ein zutiefst repressiver Staat ohne jegliche Religionsfreiheit. Die Auspeitschung des Bloggers Badawi zeigt dies. Auch Abdullah wusste, dass der Wahabismus wichtigster Pfeiler der Herrschaft der Familie Saud ist.

    König Abdullah von Saudi-Arabien ist tot. Mit ihm starb ein Reformer von oben. Vorsichtig versuchte er etwa im Bereich der Frauenrechte und der Bildung eine Modernisierung, die weite Teile der apathischen Bevölkerung wie des konservativen Establishments irritierte. Als erster saudischer Monarch überhaupt besuchte er den Vatikan, um Papst Benedikt zu treffen. Für interreligiöse Dialogveranstaltungen, die der König einberief und an denen nicht nur Monotheisten teilnahmen, waren die Monarchen des Landes bislang nicht bekannt. Dennoch: Saudi-Arabien blieb auch unter ihm ein zutiefst repressiver Staat ohne jegliche Religionsfreiheit. Die Auspeitschung des Bloggers Badawi zeigt dies. Auch Abdullah wusste, dass der Wahabismus wichtigster Pfeiler der Herrschaft der Familie Saud ist.

    Außenpolitisch musste der Monarch mit dem Aufstieg des Iran nach dem Irak-Krieg 2003 zurechtkommen, der die Kräfteverhältnisse in der Region veränderte. Im Zuge der Arabischen Umwälzungen suchte er deshalb eine gleichzeitig gegen den Iran wie die Muslimbrüder gerichtete Politik zu verfolgen. Doch in Syrien ist Präsident Assad noch immer an der Macht. Und der Iran einigt sich womöglich mit dem Westen in Sachen Atomprogramm. Im Süden zerfällt der Jemen. Und von Norden her bedroht der Islamische Staat das Land. Der Wall, der derzeit entlang der Grenze zum Irak gebaut wird, kann nicht verhindern, dass es im Volk große Sympathie für das IS-Kalifat gibt. Ideologisch sind die Unterschiede nicht so groß. Daraus könnte bald ein internes Sicherheitsproblem werden. Bedroht wird die Stabilität auch von der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Und der rekordverdächtige Preisverfall des Öls nicht zuletzt aufgrund saudischer Überproduktion hilft zwar, die bedrohliche Fracking-Konkurrenz aus den USA zu schwächen und den Iran und Russland gleich mit, greift über kurz oder lang aber auch die Substanz des Landes an. Abdullah hinterlässt seinem nicht als reformfreudig geltenden Bruder Salman damit ein innerlich und äußerlich gefährdetes Reich.