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    Kommentar: Rennen im Bund weiter offen

    Wenn die Wahlen 2016 in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin in erster Linie Plebiszite über die Politik der von Kanzlerin Merkel geführten Großen Koalition gewesen wären, könnte die Union nach dem Erfolg vom Sonntag an der Saar beruhigt und äußerst zuversichtlich auf die Bundestagswahl im Herbst zugehen. Denn dann müsste der in dieser Klarheit von niemandem erwartete Sieg der alten und neuen saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer Merkel jetzt genauso zugeschrieben werden, wie ihr die Verluste der Union im vergangenen Jahr angelastet wurden.

    Stefan Rehder
    Stefan Rehder. Foto: DT

    Wenn die Wahlen 2016 in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin in erster Linie Plebiszite über die Politik der von Kanzlerin Merkel geführten Großen Koalition gewesen wären, könnte die Union nach dem Erfolg vom Sonntag an der Saar beruhigt und äußerst zuversichtlich auf die Bundestagswahl im Herbst zugehen. Denn dann müsste der in dieser Klarheit von niemandem erwartete Sieg der alten und neuen saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer Merkel jetzt genauso zugeschrieben werden, wie ihr die Verluste der Union im vergangenen Jahr angelastet wurden.

    Allerdings spricht viel dafür, dass es so einfach nicht ist – damals nicht und heute auch nicht. Dass eine Mehrheit der Wähler sich nicht dafür interessiere, was vor ihrer Haustür geschieht, weshalb sie die Wahlzettel, mit denen sie dies – und auch das nur alle paar Jahre einmal – beeinflussen können, regelmäßig umfunktionierten, um „denen in Berlin“ einen „Denkzettel“ zu verpassen, ist eine Erfindung von Journalisten, die auch von Wahlverlierern gerne genutzt wird, um die Verantwortung für ihr Scheitern zu kaschieren. Mit der Lebenswirklichkeit und dem Wahlverhalten der meisten Bürger hat eine solche Interpretation von Landtagswahlen wenig zu tun. Auch im Saarland standen weder Angela Merkel noch Martin Schulz zur Wahl. Daher ist auch jetzt völlig offen, wer von ihnen in einem halben Jahr im Bund das Rennen macht. Wenn es etwas gibt, das sich aus dieser Landtagswahl für ganz Deutschland lernen lässt, dann etwas, das weniger mit politischen Inhalten als mit Stilfragen zu tun hat. Die hohen Zustimmungswerte für Annegret Kramp-Karrenbauer – in der Union von vielen auch „AKK“ genannt – zeigen, dass die Mehrheit der Wähler durchaus einen pragmatischen, nüchternen Politikstil goutiert und eben nicht – anders als heute viele glauben machen wollen – einen populistischen. Auch die These, nur Populisten könnten noch Nichtwähler mobilisieren, wurde jetzt an der Saar ins Reich der Legende verwiesen. Und das ist gut so.