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    Kommentar: Präsident oder Prokurist?

    Gäbe es einen Nobelpreis für Geschicklichkeit, Anstand, Glaubwürdigkeit und Klugheit, stünde Christian Wulff wohl nicht auf der Liste der Kandidaten. Der ehemalige Bundespräsident hat offenbar eine Neigung zum Unglück. Es war ruhig geworden um dieses Staatsoberhaupt, das im Amt zur tragischen Figur (gemacht) wurde. Und das war gut so. Jetzt aber befördern Nachrichten um einen Nebenverdienst als Prokurist für eine türkische Modefirma des einstigen Glamourpräsidenten ein Geschmäckle, das alles andere als gut ist. Als Wulff nach rekordverdächtiger Kurzzeit im Schloss Bellevue die Biege machte, kämpfte er darum, den ihm verfassungsrechtlich zustehenden Ehrensold des Ex-Bundespräsidenten zu 100 Prozent zu bekommen. Verständlich. Denn die Regelung, die dem ehemaligen Oberhaupt nicht nur die Anrede „Herr Bundespräsident“ auf Lebzeiten garantiert, soll auch garantieren, dass ein zu Neutralität verpflichteter Präsident nach seiner Amtszeit neutral und unabhängig bleiben kann. Dem Amt zuliebe. Wenn Kleider Leute machen, kann es schon vorkommen, dass nicht alle Bekleidungen für den Träger passend sind. Und dieser hat, wenn es denn nicht passt, immer die Freiheit, der Würde des Amtes– auch als Ehemaliger – Schaden zuzufügen.

    Gäbe es einen Nobelpreis für Geschicklichkeit, Anstand, Glaubwürdigkeit und Klugheit, stünde Christian Wulff wohl nicht auf der Liste der Kandidaten. Der ehemalige Bundespräsident hat offenbar eine Neigung zum Unglück. Es war ruhig geworden um dieses Staatsoberhaupt, das im Amt zur tragischen Figur (gemacht) wurde. Und das war gut so. Jetzt aber befördern Nachrichten um einen Nebenverdienst als Prokurist für eine türkische Modefirma des einstigen Glamourpräsidenten ein Geschmäckle, das alles andere als gut ist. Als Wulff nach rekordverdächtiger Kurzzeit im Schloss Bellevue die Biege machte, kämpfte er darum, den ihm verfassungsrechtlich zustehenden Ehrensold des Ex-Bundespräsidenten zu 100 Prozent zu bekommen. Verständlich. Denn die Regelung, die dem ehemaligen Oberhaupt nicht nur die Anrede „Herr Bundespräsident“ auf Lebzeiten garantiert, soll auch garantieren, dass ein zu Neutralität verpflichteter Präsident nach seiner Amtszeit neutral und unabhängig bleiben kann. Dem Amt zuliebe. Wenn Kleider Leute machen, kann es schon vorkommen, dass nicht alle Bekleidungen für den Träger passend sind. Und dieser hat, wenn es denn nicht passt, immer die Freiheit, der Würde des Amtes– auch als Ehemaliger – Schaden zuzufügen.

    Wer wie Wulff 236 000 Euro pro Jahr auf Kosten des Steuerzahlers kassiert und weiter Privilegien wie Sekretariat und Chauffeur zugestanden bekommt, sollte sich so verhalten, wie man das zu Recht von einem Alt-Bundespräsidenten erwarten darf. Oder er belegt, dass die einst wohlüberlegte Regelung, den Bundespräsidenten auch nach seiner Amtszeit die Freiheit zur Unabhängigkeit zu schenken, gerade für ihn nicht passt. Souveränität verlangt Maß und Mitte. Christian Wulff sollte sich entscheiden: zwischen Kassieren für einen neuen Job oder Kassieren von 100 Prozent als „Herr Bundespräsident“. Manches Geschmäckle befördert den Politikerverdruss sowie die Erkenntnis, dass es auch in höchsten Ämtern Menschen gibt ohne jedes Gespür für Anstand und Wirkung. Auch ein Alt-Oberhaupt hat Verantwortung. Der sollte er gerecht werden (können).