• aktualisiert:

    Kommentar: Ohne Kirchen glaubt man nicht

    Als Christ ist man nie allein. Das predigen Päpste nicht erst seit gestern. Doch so richtig begriffen hat man es in Deutschland noch nicht. Nach einer repräsentativen Umfrage des Emnid-Instituts meinen 83 Prozent der Männer und sogar 87 Prozent der Frauen, Christsein ohne die Kirchen sei möglich. Doch hier betrügen sich die Deutschen gewaltig. Christsein und Kirchesein gehören untrennbar zusammen. Ohne die Kirchen verkommt der christliche Glaube nicht nur zu einer synkretistischen Wellness-Religion. Man öffnet auch einer zunehmenden Glaubenslosigkeit Tür und Tor.

    Als Christ ist man nie allein. Das predigen Päpste nicht erst seit gestern. Doch so richtig begriffen hat man es in Deutschland noch nicht. Nach einer repräsentativen Umfrage des Emnid-Instituts meinen 83 Prozent der Männer und sogar 87 Prozent der Frauen, Christsein ohne die Kirchen sei möglich. Doch hier betrügen sich die Deutschen gewaltig. Christsein und Kirchesein gehören untrennbar zusammen. Ohne die Kirchen verkommt der christliche Glaube nicht nur zu einer synkretistischen Wellness-Religion. Man öffnet auch einer zunehmenden Glaubenslosigkeit Tür und Tor.

    Mit der Behauptung befindet man sich in doppelter Hinsicht auf dem Holzweg. Man widerspricht zuerst der Geschichte und gewachsenen Tradition des Christentums. Bereits seit den frühen Tagen der Urkirche geschieht Christsein nur in Gemeinschaft. Christen bildeten Gemeinden. Christen verstanden sich als Christen für andere und mit anderen. In den Strukturen der Gemeinde mit dem Bischof an der Spitze wurde der Glauben tradiert und Häresien bekämpft. Wie soll man wissen, was heute noch christlich ist und was nicht? Nicht nur bei bioethischen Debatten dürfte der Einzelne heillos überfordert sein. Ganz zu schweigen davon, wie man sich immer wieder selbst motivieren will, dem hohen Anspruch des Glaubens gerecht zu werden. Man widerspricht aber auch der Wissenschaft. Religionssoziologen haben erkannt, dass Kirchlichkeit mit christlicher Religiosität korreliert. Je stärker die Anbindung an eine Kirche, desto größer die Bejahung des christlichen Glaubens. Pikant außerdem: Wenn die Kirchenbindung abnimmt, ist das nicht ein Hinweis auf einen individualisierten Glauben, sondern dass man zunehmend überhaupt nicht mehr glaubt.

    Sich auf ein Christsein ohne die Kirchen zu berufen, offenbart damit nicht nur ein krudes Verständnis der Kirchen als reine Institutionen, mit der man nichts zu tun haben will, sondern auch, dass der Bezug zu Christus und Religion zunehmend verloren geht.