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    Kommentar: Ökumene ja, aber so nicht

    Die Einheit der getrennten Christenheit sollte jedem Gläubigen ein Herzensanliegen sein. Sie ist der Wunsch des Herrn selbst, der darum gebetet hat, dass alle eins seien. Spaltung schmerzt, schadet und trübt die Zeugniskraft des Christentums in der Welt. Daran gibt es keinen Zweifel. Nun haben sich etliche Prominente aus Politik und Gesellschaft daran gemacht, selbst in die Hand zu nehmen, was ihnen kirchlicherseits in Sachen Ökumene offensichtlich zu langsam geht, beziehungsweise falsch läuft. Auf Initiative von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) rufen sie unter dem Titel „Ökumene Jetzt“ zur Überwindung der Kirchenspaltung auf.

    Die Einheit der getrennten Christenheit sollte jedem Gläubigen ein Herzensanliegen sein. Sie ist der Wunsch des Herrn selbst, der darum gebetet hat, dass alle eins seien. Spaltung schmerzt, schadet und trübt die Zeugniskraft des Christentums in der Welt. Daran gibt es keinen Zweifel. Nun haben sich etliche Prominente aus Politik und Gesellschaft daran gemacht, selbst in die Hand zu nehmen, was ihnen kirchlicherseits in Sachen Ökumene offensichtlich zu langsam geht, beziehungsweise falsch läuft. Auf Initiative von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) rufen sie unter dem Titel „Ökumene Jetzt“ zur Überwindung der Kirchenspaltung auf.

    So sehr man sich als Christ das wichtige Anliegen der Ökumene zu eigen machen muss, so deutlich muss man sagen: So nicht! Dieser Appell hilft dem Mühen um die Einheit nicht, er beschädigt es vielmehr. Und mehr als das: Dieser Aufruf – an den Bischöfen vorbei – strotzt vor politischer Selbstgerechtigkeit. Als ob die Verantwortlichen – vor allem der katholischen Kirche – Betonköpfe seien, die die Ökumene blockierten, die Einheit verhinderten und es nur einige Politpromis bräuchte, um endlich unnötige Mauern einzureißen. Wer so denkt, schreibt und handelt, nimmt den ökumenischen Dialog nicht ernst, er ignoriert die Theologie und geht von einem Kirchenbild aus, das mit dem der katholischen Kirche nicht zu vereinbaren ist.

    Mehr noch: Der Aufruf „Ökumene jetzt“ ist ein erneutes Indiz für die zunehmende Politisierung des Kirchenbetriebs. Prominenz, Mehrheit, Lautstärke und geschickte mediale Inszenierung gewinnen die Oberhand über theologische Redlichkeit, spirituelle Tiefe und intellektuelle Aufrichtigkeit. Am Ende heißt es dann: Poltern und Druckmachen statt Denken, Beten und die Mühen eines ernsthaften ökumenischen Dialogs auf sich nehmen.

    Geradezu absurd wird der Aufruf mit Blick auf die Unterzeichner. Da wird öffentlichkeitswirksam die Kircheneinheit gefordert. Dabei zeigen gerade politische Entscheidungen der handelnden Personen, dass sie etwa in entscheidenden Fragen des Lebensrechts den christlichen Konsens in der politischen Praxis längst aufgekündigt haben. Dabei wäre doch – ganz im Sinne des viel zitierten Zweiten Vatikanums – die Politik der Ort der Weltgestaltung, an dem sich christliches Engagement entfalten sollte. In ökumenischer Geschlossenheit christliches Zeugnis vor der Welt geben? Im politischen Alltag leider oft Fehlanzeige! Wie bequem ist es da, ökumenische Appelle loszulassen. Das zeigt leider überdeutlich, wie weit man in Wirklichkeit auseinander ist und wie schwer es eine ernsthafte Ökumene hat, die Unterschiede nicht unter den Teppich kehrt.

    Die Einheit der Kirchen ist nicht verhandelbar wie ein politischer Kompromiss oder ein Parteitagsbeschluss. Wahrheitsfragen lassen sich nicht über Mehrheitsbeschlüsse lösen. Der Wunsch nach Einheit ist gut, der Weg dorthin wird durch Aktionen wie „Ökumene jetzt“ nicht kürzer, sondern steiniger.