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    Kommentar: Notlösung Pfefferspray?

    Mit den Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof ging ein Ruck durch die Gesellschaft: Plötzlich spricht jeder von sexualisierter Gewalt. Höchste Zeit! Denn darüber muss geredet werden: Sexuelle Belästigung gehört leider zum Alltag vieler Frauen. Das fängt bei entwürdigenden Blicken und anzüglichen Sprüchen an und hört mit „Antatschen“ nicht auf. Allein in Berlin hat die Polizei 2014 insgesamt 2 991 Sexualdelikte erfasst, darunter 684 Vergewaltigungen. Aufs Jahr verteilt entspricht das fast zwei Taten pro Tag. In München stieg in den vergangenen zehn Jahren die Zahl sexueller Nötigungen auf 150 pro Oktoberfest-Wochenende, die Statistik benennt für jeden Wiesn-Tag eine Vergewaltigungs-Anzeige. Aber: Die meisten Fälle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung finden immer noch im unmittelbaren Umfeld der Opfer statt. Jeden Tag gibt es hierzulande durchschnittlich 40 Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder. Die Kriminalstatistik der Polizei weist jährlich mehr als 7 300 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen an Frauen in Deutschland aus, das sind zwanzig jeden Tag. Und hier handelt es sich nur um die bekannt gewordenen Fälle. Die Dunkelziffer ist hoch; vieles kommt niemals zur Anzeige. Wie mühsam sich die Aufklärungsarbeit für Engagierte wie den Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs gestaltet und wie schleppend eine wirksame Gesetzgebung zur Verbesserung der Lage von Opfern verläuft, zeigt, dass Politik wie Gesellschaft dem Thema bei weitem noch nicht den Stellenwert beimessen, der ihm gebührt. Trotz gelegentlicher medialer Aufmerksamkeit, angefangen von „#aufschrei“ bis zur Berichterstattung zum Edathy-Prozess.

    Notlösung Pfefferspray? Foto: dpa

    Mit den Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof ging ein Ruck durch die Gesellschaft: Plötzlich spricht jeder von sexualisierter Gewalt. Höchste Zeit! Denn darüber muss geredet werden: Sexuelle Belästigung gehört leider zum Alltag vieler Frauen. Das fängt bei entwürdigenden Blicken und anzüglichen Sprüchen an und hört mit „Antatschen“ nicht auf. Allein in Berlin hat die Polizei 2014 insgesamt 2 991 Sexualdelikte erfasst, darunter 684 Vergewaltigungen. Aufs Jahr verteilt entspricht das fast zwei Taten pro Tag. In München stieg in den vergangenen zehn Jahren die Zahl sexueller Nötigungen auf 150 pro Oktoberfest-Wochenende, die Statistik benennt für jeden Wiesn-Tag eine Vergewaltigungs-Anzeige. Aber: Die meisten Fälle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung finden immer noch im unmittelbaren Umfeld der Opfer statt. Jeden Tag gibt es hierzulande durchschnittlich 40 Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder. Die Kriminalstatistik der Polizei weist jährlich mehr als 7 300 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen an Frauen in Deutschland aus, das sind zwanzig jeden Tag. Und hier handelt es sich nur um die bekannt gewordenen Fälle. Die Dunkelziffer ist hoch; vieles kommt niemals zur Anzeige. Wie mühsam sich die Aufklärungsarbeit für Engagierte wie den Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs gestaltet und wie schleppend eine wirksame Gesetzgebung zur Verbesserung der Lage von Opfern verläuft, zeigt, dass Politik wie Gesellschaft dem Thema bei weitem noch nicht den Stellenwert beimessen, der ihm gebührt. Trotz gelegentlicher medialer Aufmerksamkeit, angefangen von „#aufschrei“ bis zur Berichterstattung zum Edathy-Prozess.

    Die Würde der Frau wird beschmutzt mit Füßen getreten. Die Liste wird täglich länger, sie reicht von Sextourismus, Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung, bis hin zu Prostitution und Pornoindustrie. Sexuelle Gewalt ist ein gravierendes Problem der Gesellschaft. Hieran muss sich endlich etwas ändern. Oder wollen wir, dass sich Frauen nur noch auf ihr Pfefferspray verlassen können?