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    Kommentar: Nigeria schafft es nicht alleine

    Wer die nigerianische Terror-Sekte Boko Haram als islamisch bezeichnet und den Islam für ihre bestialischen Verbrechen verantwortlich macht, hilft ihr und ihren internationalen Hintermännern, treibt den Terroristen neue Sympathisanten zu. Und er fällt jenen Kräften in der islamischen Welt in den Rücken, die Boko Haram – mehr aus religiösen, denn aus politischen Gründen – öffentlich und vehement verurteilen. Wer die Terrorherrschaft von Boko Haram über weite Teile Nord-Nigerias brechen will, muss jetzt nationale und internationale Allianzen suchen. Auf nationaler Ebene tun dies die Bischöfe Nigerias seit vielen Jahren, indem sie den Dialog mit den traditionell einflussreichen islamischen Würdenträgern pflegen. Der Sultan von Sokoto und viele Emire sind in manchen Gebieten einflussreicher als staatliche Organe. Nicht nur deshalb sind sie für die Kirche wichtig: Viele Würdenträger des Islam in Nigeria haben sich öffentlich gegen Boko Haram gestellt und sind so selbst ins Fadenkreuz der Terroristen geraten.

    Wer die nigerianische Terror-Sekte Boko Haram als islamisch bezeichnet und den Islam für ihre bestialischen Verbrechen verantwortlich macht, hilft ihr und ihren internationalen Hintermännern, treibt den Terroristen neue Sympathisanten zu. Und er fällt jenen Kräften in der islamischen Welt in den Rücken, die Boko Haram – mehr aus religiösen, denn aus politischen Gründen – öffentlich und vehement verurteilen. Wer die Terrorherrschaft von Boko Haram über weite Teile Nord-Nigerias brechen will, muss jetzt nationale und internationale Allianzen suchen. Auf nationaler Ebene tun dies die Bischöfe Nigerias seit vielen Jahren, indem sie den Dialog mit den traditionell einflussreichen islamischen Würdenträgern pflegen. Der Sultan von Sokoto und viele Emire sind in manchen Gebieten einflussreicher als staatliche Organe. Nicht nur deshalb sind sie für die Kirche wichtig: Viele Würdenträger des Islam in Nigeria haben sich öffentlich gegen Boko Haram gestellt und sind so selbst ins Fadenkreuz der Terroristen geraten.

    Die gewaltsamen Entführungen und Zwangskonversionen von mehr als 250 Schülerinnen sowie die jüngsten Anschläge in Nord- und Zentralnigeria haben weltweit Entsetzen und Empörung ausgelöst. Nun aber braucht es auch eine internationale politische Reaktion, denn der nigerianische Staat ist ganz offenkundig nicht in der Lage, das Terrornetzwerk zu zerschlagen. Nigeria bekommt weder das krakenhafte Anwachsen des Terrors in den Griff noch seine tieferen Ursachen: die bittere Armut der Massen, die ethnische und soziale Zerrissenheit der Gesellschaft, das fehlende politische Ethos, die Bildungsdefizite und die allgegenwärtige Korruption. Ohne internationale Hilfe wäre Mali im Vorjahr ganz in die Hände islamistischer Terroristen gefallen. Ohne internationale Hilfe wird auch Nigeria den Terrorismus nicht besiegen. Das liegt am desolaten Zustand des nigerianischen Staates, aber auch daran, dass Boko Haram Geld und Waffen aus dem Ausland bezieht. Es ist darum die Pflicht der internationalen Politik, den Blutkreislauf des Terrorismus mit einem chirurgischen Schnitt zu durchtrennen.