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    Kommentar: Mit kalter Berechnung

    Mit kalter Berechnung sollte Ägyptens empfindlichster Nerv getroffen werden: Der am Sonntag in vier Fällen tödliche Bombenanschlag auf eine südkoreanische christliche Reisegruppe auf dem Sinai ist ein weiterer Akt in dem Feldzug, den islamistische Terroristen derzeit gegen das Ägypten nach Mursi führen. Nach einer ganzen Reihe von Attentaten gegen koptische Christen und staatliche Sicherheitseinrichtungen scheinen jetzt „weiche“ Ziele an der Reihe. Beobachter sprechen bereits von einem Strategiewechsel der von Al-Kaida inspirierten und im Sinai ansässigen Gruppe „Ansar Beit Al-Makdis“, die sich zu den Anschlägen bekannt hat. Fest steht: Erstmals seit Mursis Sturz wurden bewusst Ausländer attackiert. Der Schaden für das Land ist in der Folgewirkung immens. Der Tourismus ist eine wesentliche Säule für Ägyptens Wirtschaft und Deviseneinfuhr.

    Opfer des Anschlags in Ägypten waren christliche Touristen aus Südkorea. Foto: dpa

    Mit kalter Berechnung sollte Ägyptens empfindlichster Nerv getroffen werden: Der am Sonntag in vier Fällen tödliche Bombenanschlag auf eine südkoreanische christliche Reisegruppe auf dem Sinai ist ein weiterer Akt in dem Feldzug, den islamistische Terroristen derzeit gegen das Ägypten nach Mursi führen. Nach einer ganzen Reihe von Attentaten gegen koptische Christen und staatliche Sicherheitseinrichtungen scheinen jetzt „weiche“ Ziele an der Reihe. Beobachter sprechen bereits von einem Strategiewechsel der von Al-Kaida inspirierten und im Sinai ansässigen Gruppe „Ansar Beit Al-Makdis“, die sich zu den Anschlägen bekannt hat. Fest steht: Erstmals seit Mursis Sturz wurden bewusst Ausländer attackiert. Der Schaden für das Land ist in der Folgewirkung immens. Der Tourismus ist eine wesentliche Säule für Ägyptens Wirtschaft und Deviseneinfuhr.

    Die Sinai-Halbinsel nimmt dabei in Ägypten eine Sonderrolle ein. In weiten Teilen unzugängliche Gebirgsregion fernab des Nils und in der Hand stolzer Beduinen, ist die Region spätestens seit der Besatzung durch Israel 1967 Kairos Kontrolle entglitten. Nach der Rückgabe des Gebiets an Ägypten 1982 musste das Gebiet einerseits im Rahmen des Friedensvertrags als Pufferzone weitgehend demilitarisiert werden. Andererseits wurden die Beduinen systematisch diskriminiert und vielfach als israelische Kollaborateure bezeichnet. Die Beduinen profitierten in der Folge nur bedingt von den Touristenströmen, die in Taba, Dahab oder Scharm Al-Scheich Erholung suchten. Gerade der dem Gaza-Streifen benachbarte Norden zählt zu den ärmsten Regionen des Landes. Nicht zufällig sind hier die Auseinandersetzungen zwischen Armee und Terroristen am größten. In diesem Klima der systematischen Vernachlässigung entstand schon zu Mubaraks Zeiten eine unkontrollierbare Gemengelage, in der die Terroristen entweder direkt unter den Beduinen rekrutierten beziehungsweise willige Unterstützer in ihnen fanden. Mit einer Politik der harten Hand allein wird man das den Terrorismus begünstigende Klima auf dem Sinai deshalb dauerhaft kaum lösen können.