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    Kommentar: Mensch Merkel

    Die Diskussionen über den Gesundheitszustand der Bundeskanzlerin reißen nicht ab. Doch sie sind wohl legitim. Von Stefan Meetschen

    Moldauische Ministerpräsidentin Sandu in Berlin
    Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt im Bundeskanzleramt, Maia Sandu, moldauische Ministerpräsidentin, mit militärisch... Foto: Britta Pedersen (ZB)

    Was ist los mit Angela Merkel? Ist die Gesundheit der Bundeskanzlerin Privatsache oder öffentliche Angelegenheit? Darüber wird diskutiert, seit Merkel binnen kurzer Zeit dreimal zitternd zu sehen war. Dass die am Mittwoch 65 Jahre alt gewordene Regierungschefin inzwischen bei Staatsbesuchen, wenn die Hymnen erklingen, auf dem Stuhl Platz nimmt, vermag das Gerede nicht zu stoppen. Es wird weiter gerätselt – so wie sonst nur bei verletzten Sportprofis vor großen Turnieren: schafft sie es, wieder fit zu werden?

    Sie muss niemandem mehr etwas beweisen

    Merkel ist ein Profi. Sie muss niemand mehr etwas beweisen. Seit Jahren fliegt sie durch die Welt ¬ von Sitzung zu Sitzung, von Gipfel zu Gipfel. Das Turnier der großen Weltpolitik – sie hat es gespielt mit allen Finessen. Robust, unermüdlich, ohne Schwächen zu zeigen. Dass ausgerechnet sie nun Schwäche offenbart, wirkt erst mal sympathisch. Die einst mächtigste Frau Europas, wenn nicht der Welt, ist also auch nur ein Mensch. Damit steht sie in einer Reihe mit ihren Vorgängern. Der häufig depressive Willy Brandt, der gelegentlich schwächelnde Helmut Schmidt oder auch Helmut Kohl – sie hatten gute Gründe, während ihrer Amtszeit Anzeichen von Labilität zu verbergen. Handicaps sind nicht Macht-fördernd, und um Macht geht es bei dem Amt des Bundeskanzlers 24 Stunden täglich.

    Wie lange kann ein Land von einer Frau geführt werden, die als gesundheitlich angeschlagen gilt? Auf Dauer wird sich die Weltöffentlichkeit nicht mit seichten Beschwichtigungen zufriedengeben. Das belegt auch die jüngste Diskussion um Merkels echte oder vermeintliche Atembeschwerden im Élysée-Palast.

    Nicht jede Spekulation wird von Missgunst motiviert

    Schön ist das nicht, aber es gehört wohl zu einem Geschäft, in dem vor allem Stärke zählt. Und nicht jede Spekulation wird von Missgunst motiviert – dahinter kann auch eine echte Sorge um das Land stecken, das durch Merkel repräsentiert wird. Gerade in Deutschland, wo missliebige ausländische Politiker gern per Ferndiagnose für krank erklärt werden, gilt es zu prüfen, ob die eigene Regierungschefin noch in der Lage ist, die Amtsgeschäfte auszuüben. Zum Wohle des Staates und zu ihrem eigenen.

    von Stefan Meetschen

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