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    Kommentar: Italien, das Land der Beben

    „Nie wieder Irpinia“ ist ein Ruf, der jetzt, nach dem jüngsten Erdbeben in Mittelitalien, oft zu hören ist. Gemeint ist die Katastrophe von 1980, als in der Region Irpinia zwischen Neapel und Potenza 2 900 Menschen ums Leben kamen und dreihunderttausend obdachlos wurden – die schlimmste Naturkatastrophe Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Name Irpinia wurde dann aber auch zum Symbol für einen verschleppten Wiederaufbau, für korrupte Politiker, die sich an Hilfsgeldern bereicherten, für die Mafia, das heißt die örtliche Camorra, die über Schutzgelder und fingierte Bauprojekte beträchtliche Summen für sich abzweigte. Irpinia war tatsächlich ein Skandal.

    Guido Horst
    Guido Horst. Foto: DT

    „Nie wieder Irpinia“ ist ein Ruf, der jetzt, nach dem jüngsten Erdbeben in Mittelitalien, oft zu hören ist. Gemeint ist die Katastrophe von 1980, als in der Region Irpinia zwischen Neapel und Potenza 2 900 Menschen ums Leben kamen und dreihunderttausend obdachlos wurden – die schlimmste Naturkatastrophe Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Name Irpinia wurde dann aber auch zum Symbol für einen verschleppten Wiederaufbau, für korrupte Politiker, die sich an Hilfsgeldern bereicherten, für die Mafia, das heißt die örtliche Camorra, die über Schutzgelder und fingierte Bauprojekte beträchtliche Summen für sich abzweigte. Irpinia war tatsächlich ein Skandal.

    Italien ist – mit Griechenland – das gefährlichste Erdbebengebiet Europas und hat einen hohen Tribut gezahlt, an Menschenleben und Kosten für Rettung und Wiederaufbau. Und Italien hat auch gelernt. Zumindest hat sich der Skandal von Irpinia nicht wiederholt. Aber Italien lernt langsam: Als 2009 das historische Zentrum von L'Aquila in Schutt und Asche versank, sorgten Mitschnitte eines Telefonats für Empörung, in dem sich ein Unternehmer zynisch über die zu erwartenden Bauaufträge freute. In der Universitätsstadt brachen neben einem Studentenheim auch andere Gebäude ein, die aus neuerer Zeit stammten und den Erdstößen hätten standhalten müssen. Fünf Jahre dauerte es, bis der Wiederaufbau L'Aquilas begann. Da lag das Beben in der Emilia Romagna gerade zwei Jahre zurück, bei der zwei moderne Fabrikgebäude einstürzten und Menschen unter sich begruben – man hatte nicht erdbebensicher gebaut. Wie auch jetzt in Amatrice, wo eine 2012 grundsanierte Schule zusammenbrach: zu viel Sand, zu wenig Zement.

    Der große Erfolg beim jüngsten Beben: Die Rettungseinsätze liefen schnell und reibungsfrei, die Koordination der verschiedenen Dienste und ehrenamtlicher Organisationen war beispielhaft. Das ist zumindest ein gutes Omen dafür, dass der Wiederaufbau schnell und ohne Einmischung krimineller Vereinigungen geschieht. Die Medien werden mit Argusaugen darüber wachen.