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    Kommentar: Israel und die Araber

    Zu den falschen Prognosen, die zu Beginn des „Arabischen Frühlings“ gemacht wurden, gehörte diese: Die Regierungen müssten künftig mehr Rücksicht auf die Meinung der arabischen Straße nehmen. Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern würde weitaus stärker in den Fokus der Öffentlichkeit treten. Für Israel brächen ungemütliche Zeiten an. So ist es nicht gekommen. Im Gegenteil: Israel darf aus strategischer Sicht als einer der Gewinner der Umwälzungen der vergangenen Jahre gelten – jedenfalls, seit Mursi in Ägypten Geschichte ist und solange Jordanien stabil bleibt. Mag Israel in der Region beim Volk allgemein verhasst bleiben: Die Regierungen kalkulieren anders. Das dröhnende Schweigen aus Riad, Amman und Kairo zum israelischen Vorgehen in Gaza zeigt dies.

    Zu den falschen Prognosen, die zu Beginn des „Arabischen Frühlings“ gemacht wurden, gehörte diese: Die Regierungen müssten künftig mehr Rücksicht auf die Meinung der arabischen Straße nehmen. Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern würde weitaus stärker in den Fokus der Öffentlichkeit treten. Für Israel brächen ungemütliche Zeiten an. So ist es nicht gekommen. Im Gegenteil: Israel darf aus strategischer Sicht als einer der Gewinner der Umwälzungen der vergangenen Jahre gelten – jedenfalls, seit Mursi in Ägypten Geschichte ist und solange Jordanien stabil bleibt. Mag Israel in der Region beim Volk allgemein verhasst bleiben: Die Regierungen kalkulieren anders. Das dröhnende Schweigen aus Riad, Amman und Kairo zum israelischen Vorgehen in Gaza zeigt dies.

    Die für Israel günstigen geopolitischen Umstände haben vor allem mit zwei Faktoren zu tun. Da ist zum Einen der Hegemonialkonflikt zwischen Schiiten und Sunniten, den der Iran und die Saudis am blutigsten in Syrien ausfechten. Er hat dafür gesorgt, dass sich die Loyalitäten neu sortiert haben. Die Führung der sunnitischen Hamas verließ das Exil, das Teherans Verbündeter Assad ihr gewährt hatte, und wechselte nach Katar. Iran stellte die Unterstützung für die Hamas ein. Besonders positiv wirken sich für Jerusalem aber die inner-sunnitischen Spannungen aus. Saudis und Ägypter einerseits, Türken und Kataris andererseits haben keine identischen Ordnungsvorstellungen für den Raum. Förderer und Gegner des politischen Islam stehen hier gegeneinander. Gaza zeigt dies.

    Längst ist der israelisch-palästinensische Konflikt einer von vielen im Nahen Osten geworden. Mag er einmal der Wurzel- und Schlüsselkonflikt der postkolonialen arabischen Welt gewesen sein, so ist er heute nicht einmal mehr propagandistisch die Achse, um die sich die Region dreht. Eigentlich wären dies für Israel gute Voraussetzungen, zu einer Lösung des Konflikts mit den Palästinensern zu kommen. Denn auf die arabisch-muslimische Uneinigkeit allein kann der Judenstaat sich auf Dauer nicht verlassen.