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    Kommentar: Israel spaltet die Christen

    Jetzt ist sie also da, die gefürchtete Bodenoffensive. Nachdem die hektische aber halbherzige Diplomatie der vergangenen Tage versagt hat, sprechen die Waffen noch lauter als zuvor. Der Nahe Osten kann sich auf Tage, vielleicht Wochen erbitterter Gewalt einstellen. Längst sorgt der Konflikt im Heiligen Land auch unter Christen über alle Konfessionsgrenzen hinweg für Kontroversen. Als stünde Josua erneut vor Jericho, applaudieren manche christlichen Kreise der israelischen Offensive und überbieten sich in ihren Bekenntnissen zum Selbstverteidigungsrechts des jüdischen Staates. Israel ist ihnen gleichermaßen westliches Bollwerk gegen den radikalen Islam wie neuzeitliche Erfüllung biblischer Verheißungen an die Juden. Andere Christen wiederum, die den Staat Israel aus längst überwunden geglaubten, aber offenbar tiefsitzenden anti-jüdischen Gefühlen heraus grundsätzlich ablehnen oder sich wenigstens einseitig mit der palästinensischen Sache identifizieren, sind blind für die aktuelle Bedrohungslage und verurteilen jede Maßnahme Israels zum Schutz seiner Bürger rundweg als unmoralisch.

    Oliver Maksan. Foto: DT

    Jetzt ist sie also da, die gefürchtete Bodenoffensive. Nachdem die hektische aber halbherzige Diplomatie der vergangenen Tage versagt hat, sprechen die Waffen noch lauter als zuvor. Der Nahe Osten kann sich auf Tage, vielleicht Wochen erbitterter Gewalt einstellen. Längst sorgt der Konflikt im Heiligen Land auch unter Christen über alle Konfessionsgrenzen hinweg für Kontroversen. Als stünde Josua erneut vor Jericho, applaudieren manche christlichen Kreise der israelischen Offensive und überbieten sich in ihren Bekenntnissen zum Selbstverteidigungsrechts des jüdischen Staates. Israel ist ihnen gleichermaßen westliches Bollwerk gegen den radikalen Islam wie neuzeitliche Erfüllung biblischer Verheißungen an die Juden. Andere Christen wiederum, die den Staat Israel aus längst überwunden geglaubten, aber offenbar tiefsitzenden anti-jüdischen Gefühlen heraus grundsätzlich ablehnen oder sich wenigstens einseitig mit der palästinensischen Sache identifizieren, sind blind für die aktuelle Bedrohungslage und verurteilen jede Maßnahme Israels zum Schutz seiner Bürger rundweg als unmoralisch.

    Blinde Israel-Treue, die der überlegenen Armee des Judenstaats carte blanche gibt, ist in diesen Tagen genau so fehl am Platz wie das schnelle Verständnis, ja die klammheimliche Freude über den „Widerstand“, den die Hamas auf Kosten ihrer eigenen Leute unternimmt. Die Lage im Heiligen Land ist die einer Verstrickung von Schuld und Gewalt. Das eine Übel zieht das andere seit bald hundert Jahren nach sich. Christen sollten sich deshalb nicht kurzfristig vor den Karren der einen oder anderen Seite spannen lassen, sondern grundsätzlich Verständigungsbereitschaft unterstützen, wo es sie gibt. Man darf dabei nicht naiv sein: In einer erbsündlich gefallenen Welt ist guter Wille eine Mangelware, wird eine in gutem Glauben ausgestreckte Hand nicht notwendigerweise ergriffen werden. Aber nach christlichem Verständnis darf das Schwert zur Selbstverteidigung nur führen, wer gleichzeitig die Hand zur Verständigung ausgestreckt hält. Das gilt für hüben wie drüben.