• aktualisiert:

    Kommentar: Höchste Priorität

    Ostern ohne Osterbeichte galt unter Katholiken bis vor wenigen Jahrzehnten als undenkbar. Das höchste Fest im Kirchenjahr verlangt innere Vorbereitung, und in der Fastenzeit wurde viele Jahre hindurch auch in Predigten daran erinnert. Alle sind Sünder und brauchen Vergebung – nicht von ungefähr fordert die Kirche die Gläubigen auf, mindestens einmal im Jahr zu beichten. Dass das Wissen um die Verpflichtung zur Beichte verdunstet, hat viele Ursachen. Eine ist die ungeschickte Einführung der Bußandacht. Sie förderte das Missverständnis, eine Bußandacht ersetze die Ohrenbeichte. Hier sieht Papst Franziskus offensichtlich Korrekturbedarf. Am Freitag hat er Andacht und sakramentale Beichte in eine richtige Beziehung zueinander gesetzt. Das Bild des im Beichtstuhl knienden Papstes (Seite 5) sagt mehr als manche Predigt: Jeder ohne Ausnahme braucht die Lossprechung von den Sünden, wenn er im geistlichen Leben weiterkommen will. Bußandachten können eine Hilfe sein, sich auf die Beichte vorzubereiten. Mehr nicht.

    Regina Einig. Foto: DT

    Ostern ohne Osterbeichte galt unter Katholiken bis vor wenigen Jahrzehnten als undenkbar. Das höchste Fest im Kirchenjahr verlangt innere Vorbereitung, und in der Fastenzeit wurde viele Jahre hindurch auch in Predigten daran erinnert. Alle sind Sünder und brauchen Vergebung – nicht von ungefähr fordert die Kirche die Gläubigen auf, mindestens einmal im Jahr zu beichten. Dass das Wissen um die Verpflichtung zur Beichte verdunstet, hat viele Ursachen. Eine ist die ungeschickte Einführung der Bußandacht. Sie förderte das Missverständnis, eine Bußandacht ersetze die Ohrenbeichte. Hier sieht Papst Franziskus offensichtlich Korrekturbedarf. Am Freitag hat er Andacht und sakramentale Beichte in eine richtige Beziehung zueinander gesetzt. Das Bild des im Beichtstuhl knienden Papstes (Seite 5) sagt mehr als manche Predigt: Jeder ohne Ausnahme braucht die Lossprechung von den Sünden, wenn er im geistlichen Leben weiterkommen will. Bußandachten können eine Hilfe sein, sich auf die Beichte vorzubereiten. Mehr nicht.

    Beichten ist eine Sache des guten Willens und der Übung. Dass die Beichtpraxis in vielen Ortskirchen, darunter auch die deutschsprachigen, weitgehend zusammengebrochen ist, ist ein Alarmsignal. Für Papst Franziskus hat die Wiederentdeckung dieses in Vergessenheit geratenen Sakraments höchste Priorität. Im Petersdom übernahm er nun beide Rollen: Der Papst als Beichtender und Beichtvater ist auch ein starkes Signal an die Seelsorger. Im täglichen Krieg der Pflichten bleiben Beichtstühle oft unbesetzt, auch mangels Nachfrage. Dass keiner kommt kann jedoch nicht als Begründung für den leeren Beichtstuhl herhalten. Wo Beichten nur nach Terminvereinbarung laufen, wachsen Einstiegshürden. Kardinal Mauro Piacenza, der Leiter der Apostolischen Pönitentiarie, hat angesichts der Krise des Bußsakramentes Priester ermutigt, zu regelmäßigen Zeiten im Beichtstuhl auf die Gläubigen zu warten. Denn auch das Bild des im Beichtstuhl wartenden Priesters sendet eine Botschaft der geduldigen Barmherzigkeit aus und markiert den Beichtstuhl als heilsrelevanten Ort.