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    Kommentar: Hintze ist nicht Pilatus

    Vier Stunden 20 Minuten. So lange will der Bundestag an diesem Donnerstag erstmals über die Zukunft der „Sterbebegleitung“ in Deutschland debattieren. Erwartet werden darf ein Schaulaufen, bei dem Befürworter und Gegner des ärztlich assistierten Suizids noch unentschlossene Abgeordnete auf ihre Seite zu ziehen versuchen. Auch welche „Argumente“ in den Medien den größten Widerhall finden, dürfte eine wichtige Rolle spielen. Denn entschieden werden soll – bleibt es beim Zeitplan der Parlamentarier – ja erst im Herbst des kommenden Jahres. Für manche, die sich am Donnerstag im Plenarsaal des Bundestags positionieren werden, ist „Argumente“ nach Lage der Dinge allerdings ein sehr großes Wort. Wer etwa das Interview gelesen hat, das Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) der aktuellen Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“ gab, dürfte überrascht sein, wie wenig Argumente manch einer benötigt, um zu Überzeugungen zu gelangen. Von den Spiegel-Redakteuren vorgetragene Fakten, die gegen die von Hintze und anderen gewünschte Legalisierung des ärztlich assistierten Suizids sprechen, wischt der CDU-Politiker mit Formulierungen wie „ich glaube“, „ich bin überzeugt“ von Tisch, um dann mit der nicht nur theologisch unsinnigen Behauptung, weil der Mensch nicht Christus sei, könne er, Hintze, auch von niemandem verlangen, schweres Leid auszuhalten, Bauernfängerei zu betreiben.

    Stefan Rehder. Foto: DT

    Vier Stunden 20 Minuten. So lange will der Bundestag an diesem Donnerstag erstmals über die Zukunft der „Sterbebegleitung“ in Deutschland debattieren. Erwartet werden darf ein Schaulaufen, bei dem Befürworter und Gegner des ärztlich assistierten Suizids noch unentschlossene Abgeordnete auf ihre Seite zu ziehen versuchen. Auch welche „Argumente“ in den Medien den größten Widerhall finden, dürfte eine wichtige Rolle spielen. Denn entschieden werden soll – bleibt es beim Zeitplan der Parlamentarier – ja erst im Herbst des kommenden Jahres. Für manche, die sich am Donnerstag im Plenarsaal des Bundestags positionieren werden, ist „Argumente“ nach Lage der Dinge allerdings ein sehr großes Wort. Wer etwa das Interview gelesen hat, das Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) der aktuellen Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“ gab, dürfte überrascht sein, wie wenig Argumente manch einer benötigt, um zu Überzeugungen zu gelangen. Von den Spiegel-Redakteuren vorgetragene Fakten, die gegen die von Hintze und anderen gewünschte Legalisierung des ärztlich assistierten Suizids sprechen, wischt der CDU-Politiker mit Formulierungen wie „ich glaube“, „ich bin überzeugt“ von Tisch, um dann mit der nicht nur theologisch unsinnigen Behauptung, weil der Mensch nicht Christus sei, könne er, Hintze, auch von niemandem verlangen, schweres Leid auszuhalten, Bauernfängerei zu betreiben.

    „Was erlauben Hintze“ möchte man – frei nach Giovanni Trapattoni – da ausrufen. Abgeordnete sind gewählte Volksvertreter. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Sie sollten weder Götter noch Schicksal spielen. Zu den Fragen, die ein Politiker beantworten muss, zählt, wie der Staat sicherstellen kann, dass Menschen, die sich mit dem schrecklichen Gedanken tragen, sich selbst zu töten, so geholfen werden kann, dass diese wieder verschwinden; wie gewährleistet werden kann, dass sie nicht von Dritten zur Selbsttötung getrieben werden und wie menschenwürdige Pflege bezahlt werden kann. Sollte der Staat hierauf keine Antwort finden, wird Peter Hintze seine Hände nicht in Unschuld waschen können.