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    Kommentar: Heavy Metal in Bataclan

    Es klingt zynisch, aber mehr Werbung geht nicht. Man wird im berühmten Konzertsaal Bataclan in den Jahrestag des Überfalls am 13. November 2015 durch Islamisten hineinfeiern. Die lebende Rock-Legende Sting wird die Toten besingen. Man darf sich fragen, was ist zynischer: Die Werbung oder die Feier? Sicher, es wäre ein Sieg der Terroristen, wenn das Bataclan geschlossen bliebe. Es sollen und werden auch wieder Konzerte stattfinden. Aber gerade am Abend des 12. November? Immerhin hat das Management verfügt, dass am 13. selbst nichts stattfindet, keine Gedenkfeier, kein Konzert. Nur eine Erinnerungstafel wird an dem innen und außen völlig renovierten Gebäude angebracht werden. Bataclan-Chef Langlet meint, es soll ein Tag der Besinnlichkeit sein.

    Jürgen Liminski
    Jürgen Liminski. Foto: DT

    Es klingt zynisch, aber mehr Werbung geht nicht. Man wird im berühmten Konzertsaal Bataclan in den Jahrestag des Überfalls am 13. November 2015 durch Islamisten hineinfeiern. Die lebende Rock-Legende Sting wird die Toten besingen. Man darf sich fragen, was ist zynischer: Die Werbung oder die Feier? Sicher, es wäre ein Sieg der Terroristen, wenn das Bataclan geschlossen bliebe. Es sollen und werden auch wieder Konzerte stattfinden. Aber gerade am Abend des 12. November? Immerhin hat das Management verfügt, dass am 13. selbst nichts stattfindet, keine Gedenkfeier, kein Konzert. Nur eine Erinnerungstafel wird an dem innen und außen völlig renovierten Gebäude angebracht werden. Bataclan-Chef Langlet meint, es soll ein Tag der Besinnlichkeit sein.

    Das ist natürlich eine Illusion. Politik und Medien werden sich des Themas bemächtigen, die Linke allein schon, um ihre Probleme zu verdrängen. Staatspräsident Hollande wird sich wieder salbungsvoll zum obersten Feldherrn aufschwingen. Das hat ihm immer bessere Popularitätswerte beschert. Im Moment sind diese Werte im einstelligen Bereich, also bald nicht mehr messbar. Seine Uhr läuft ab und deshalb sind Gedenkfeiern zum 13. November auch so etwas wie Abschiedsfeiern eines glücklosen Präsidenten. Denn was vom Mandat Hollande in den Fußnoten der digitalen Lexika zu finden sein wird, ist eben der offen ausgebrochene Krieg gegen den islamistischen Terror. Dieser Krieg hat Frankreich verändert. Aus den Chansons wurde Marschmusik, aus malerischen Vierteln wurden heimliche Festungen, beim Flanieren in den Touristenhochburgen von Paris begegnet man immer wieder schwerbewaffneten Soldaten und Polizisten. Auch wenn das Bataclan renoviert wurde und in der Woche nach dem Jahrestag überwiegend und symptomatisch Heavy Metal-Töne auf die 1 500 Teilnehmer niederprasseln werden, die gelassene Heiterkeit in der schönsten Stadt der Welt ist vorerst Vergangenheit. Sie ist einer Nonchalance gewichen, die an die années folles der Zwischenkriegszeit erinnert, an den Trotz und die realitätsverweigernden Feiern der zwanziger Jahre. Es fehlt die geistige Auseinandersetzung, die geistliche Aufrüstung. So wird man diesen Krieg nicht gewinnen. Es ist Zeit, dass diese geistlose Regierung zur Fußnote wird.