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    Kommentar: Gefährlicher Wankelmut

    Wankelmütigkeit – das ist hier wohl die treffendste deutsche Übersetzung des ökonomischen und politischen Fachbegriffes Volatilität. An den Börsen meint das, wenn die Kurse in kurzer Folge große Sprünge nach oben und unten vollziehen – Zeichen unsicherer Zeiten und Spekulantentums; in der Politik, dass der Bürger in Umfragen und Wahlen heute der CDU seine Stimme gibt, morgen der SPD, übermorgen den Grünen, die dann sogleich zur neuen Volkspartei erklärt werden, um irgendwann wieder abzustürzen, wenn sie tatsächlich Regierungsverantwortung übernehmen – und die FDP mal bei fünf Prozent liegt, mal bei 18. Was sich selbstredend alles von Woche zu Woche schnellstens ändert. Wankelmütig, das ist die beste Beschreibung des Zustandes des politischen Bürgers derzeit.

    Wankelmütigkeit – das ist hier wohl die treffendste deutsche Übersetzung des ökonomischen und politischen Fachbegriffes Volatilität. An den Börsen meint das, wenn die Kurse in kurzer Folge große Sprünge nach oben und unten vollziehen – Zeichen unsicherer Zeiten und Spekulantentums; in der Politik, dass der Bürger in Umfragen und Wahlen heute der CDU seine Stimme gibt, morgen der SPD, übermorgen den Grünen, die dann sogleich zur neuen Volkspartei erklärt werden, um irgendwann wieder abzustürzen, wenn sie tatsächlich Regierungsverantwortung übernehmen – und die FDP mal bei fünf Prozent liegt, mal bei 18. Was sich selbstredend alles von Woche zu Woche schnellstens ändert. Wankelmütig, das ist die beste Beschreibung des Zustandes des politischen Bürgers derzeit.

    Diese Wankelmütigkeit erzeugt auf den politischen und medialen Marktplätzen der Republik nervöse Betriebsamkeit. Sie drängt die politische Willensbildung des Volkes in Talkshows von „Anne Will“ bis „Hart, aber fair“ ab. Sie tobt sich aus im Internet der Blogs und Chats, sie findet ihre öffentliche Form und letzte Bestimmung in der sofortigen Meinung – deren Begründung und Folgenabschätzung interessiert die Wankelmütigkeit in ihrer unaufhörlichen Abfolge von Standpunkten kaum noch.

    Mit Folgen: Die politische Verantwortung, die Entscheidungen trifft und durchsetzt, verdunstet sowohl bei den Regierenden wie Regierten. Die deutsche Wankelmütigkeit erschwert die Planbarkeit und die Beständigkeit, den langen Atem der Politik in der Etappe. Kurz: Sie droht die für die bisherige und zukünftige Stabilität der Bundesrepublik so bedeutsame und unersetzliche föderale, repräsentative und parlamentarische Demokratie zu zerbröseln. Kluge Analysen, warum das so ist, also sich Milieus ändern, Volksparteien und Großinstitutionen erodieren, weil der Individualismus alles verändert, helfen nicht weiter, sie liefern vielmehr Alibi für die Wankelmütigkeit der Bürger. Deutschland braucht zuerst ein erneuertes entschiedenes Bekenntnis zur repräsentativen Demokratie.

    von Johannes Seibel