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    Kommentar: Französischer Anachronismus

    Selten war das, was Frankreichs Sozialisten den Franzosen und dem Rest der Welt jetzt als Fortschritt verkaufen wollen, derart anachronistisch. Schon aus naturwissenschaftlicher Sicht ist das am Dienstag von der Nationalversammlung mit 314 gegen 223 Stimmen beschlossene Gesetz, das die Forschung mit embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) in Frankreich unter Auflagen legalisiert, ein Griff in die forschungspolitische Mottenkiste. Denn die Forschung mit ES-Zellen, für die gewöhnlich künstlich erzeugte Embryonen getötet werden, die nicht mehr einer Frau eingesetzt werden sollen, ist mittlerweile weltweit so gut wie zum Erliegen gekommen. Das gilt selbst für Länder, in denen die Embryonen verbrauchende Forschung – anders als in Frankreich – nie verboten war. Die Gründe dafür sind, wenn auch nicht Legion, so doch nicht von der Hand zu weisen: Außerhalb des Embryos entarten ES-Zellen schnell zu Tumorzellen. Aus ES-Zellen gezüchtetes Gewebe birgt im Falle einer Transplantation daher ein derart hohes Krebsrisiko, dass seriöse Forscher von einem therapeutischen Einsatz dieser Zellen längst absehen. Damit nicht genug: Da die embryonalen Stammzellen – anders als induzierte pluripotente Stammzellen (IPS-Zellen) – vom Immunsystem des Empfängers als einem fremden Organismus zugehörig erkannt werden, müsste auch mit heftigen Abstoßungsreaktionen gerechnet werden. Die ließen sich womöglich zwar durch die Gabe von Immunsuppressiva unterdrücken, würden aber die Kosten für eine embryonale Stammzelltherapie in die Höhe treiben.

    Trügerische Goldgräberstimmung: Stammzellforschung. Foto: dpa

    Selten war das, was Frankreichs Sozialisten den Franzosen und dem Rest der Welt jetzt als Fortschritt verkaufen wollen, derart anachronistisch. Schon aus naturwissenschaftlicher Sicht ist das am Dienstag von der Nationalversammlung mit 314 gegen 223 Stimmen beschlossene Gesetz, das die Forschung mit embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) in Frankreich unter Auflagen legalisiert, ein Griff in die forschungspolitische Mottenkiste. Denn die Forschung mit ES-Zellen, für die gewöhnlich künstlich erzeugte Embryonen getötet werden, die nicht mehr einer Frau eingesetzt werden sollen, ist mittlerweile weltweit so gut wie zum Erliegen gekommen. Das gilt selbst für Länder, in denen die Embryonen verbrauchende Forschung – anders als in Frankreich – nie verboten war. Die Gründe dafür sind, wenn auch nicht Legion, so doch nicht von der Hand zu weisen: Außerhalb des Embryos entarten ES-Zellen schnell zu Tumorzellen. Aus ES-Zellen gezüchtetes Gewebe birgt im Falle einer Transplantation daher ein derart hohes Krebsrisiko, dass seriöse Forscher von einem therapeutischen Einsatz dieser Zellen längst absehen. Damit nicht genug: Da die embryonalen Stammzellen – anders als induzierte pluripotente Stammzellen (IPS-Zellen) – vom Immunsystem des Empfängers als einem fremden Organismus zugehörig erkannt werden, müsste auch mit heftigen Abstoßungsreaktionen gerechnet werden. Die ließen sich womöglich zwar durch die Gabe von Immunsuppressiva unterdrücken, würden aber die Kosten für eine embryonale Stammzelltherapie in die Höhe treiben.

    Auch rechtspolitisch zeugt die Entscheidung der Nationalversammlung nicht von Weisheit. Denn seit der Europäische Gerichtshof am 18. Oktober 2011 entschied, dass die Zerstörung menschlichen Lebens im embryonalen Stadium gegen die Menschenwürde verstößt, steht die Zukunft der embryonalen Stammzellforschung in Europa auf überaus tönernen Füßen. Ethisch ist die Sache ohnehin klar. Ich darf nicht einmal versuchen, Leben zu retten, wenn ich dazu das anderer nehmen muss.