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    Kommentar: Franziskus gegen Käßmann

    Ohne Waffengewalt lassen sich Iraks Minderheiten nicht schützen. Die IS-Kämpfer, die wie die apokalyptischen Reiter über Christen, Jesiden und andere Gruppen hergefallen sind, verstehen nur diese Sprache. Das sieht auch der Heilige Stuhl so. War Johannes Paul II. noch einer der lautstärksten Gegner der Irak-Invasion von 2003, so hat sein Nachfolger Franziskus jetzt militärisches Eingreifen zur Aggressionsabwehr für erlaubt erklärt, wie er auf dem Rückflug von Asien deutlich gemacht hat: „In Fällen, wo ein ungerechter Angriff vorliegt, kann ich nur sagen, dass es legitim ist, den ungerechten Angreifer zu stoppen.“ Das war bewusst abstrakt formuliert, lässt aber vor dem irakischen Hintergrund keine Zweifel an der päpstlichen Zustimmung für Militärschläge gegen IS zu. Schon zuvor haben der Nuntius im Irak und der Sondergesandte Filoni klar gemacht, dass IS ohne Eingreifen nicht beizukommen ist.

    Oliver Maksan. Foto: DT

    Ohne Waffengewalt lassen sich Iraks Minderheiten nicht schützen. Die IS-Kämpfer, die wie die apokalyptischen Reiter über Christen, Jesiden und andere Gruppen hergefallen sind, verstehen nur diese Sprache. Das sieht auch der Heilige Stuhl so. War Johannes Paul II. noch einer der lautstärksten Gegner der Irak-Invasion von 2003, so hat sein Nachfolger Franziskus jetzt militärisches Eingreifen zur Aggressionsabwehr für erlaubt erklärt, wie er auf dem Rückflug von Asien deutlich gemacht hat: „In Fällen, wo ein ungerechter Angriff vorliegt, kann ich nur sagen, dass es legitim ist, den ungerechten Angreifer zu stoppen.“ Das war bewusst abstrakt formuliert, lässt aber vor dem irakischen Hintergrund keine Zweifel an der päpstlichen Zustimmung für Militärschläge gegen IS zu. Schon zuvor haben der Nuntius im Irak und der Sondergesandte Filoni klar gemacht, dass IS ohne Eingreifen nicht beizukommen ist.

    Dabei kann niemand dem Papst vorwerfen, Amerikas Bomben jetzt einfach und ausdrücklich den Segen gegeben zu haben. Das wäre für einen Papst auch unklug gewesen. Franziskus hat zudem die Angemessenheit der Mittel in Erinnerung gerufen und ein international legitimiertes Vorgehen im Rahmen der Vereinten Nationen angemahnt. Eine einzelne Nation könne nicht entscheiden, wie ein ungerechter Angreifer zu stoppen sei. Das nimmt der päpstlichen Stellungnahme nicht die realpolitische Spitze, lässt sich aber durchaus als Kritik an Amerika lesen, ohne UN-Mandat zu handeln. Das brauchte Obama jetzt zwar nicht, weil Bagdad ihn ausdrücklich zur Intervention aufgefordert, ja gedrängt hat. Es ist aber die Politik des Heiligen Stuhls, Gewaltanwendung grundsätzlich an Entscheidungen der UNO zu binden.

    Mit dieser nuancierten Realpolitik unterscheidet sich der Vatikan wohltuend vom radikalen Salon-Pazifismus a la Margot Käßmann. Die ehemalige Chef-Protestantin hat kürzlich militärischen Interventionen eine grundsätzliche Absage erteilt. Doch Pazifismus um jeden Preis ist unmoralisch. Christlich ist es schon gar nicht. Der Irak zeigt dies.