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    Kommentar: Ende der Diplomatie

    Die Kirche in Deutschland steuert mit dem „synodalen Weg“ auf eine offene Konfrontation zu. Von Kilian Martin

    Kurz vor Erreichen seines Ruhestands hat Bischof Konrad Zdarsa den Katholiken in Deutschland eine wichtige Mitteilung gemacht. Seine Wortmeldung, mit der er die Aktion „Maria 1.0“ unterstützte, dürfte dabei inhaltlich kaum jemanden überrascht haben. Dass der Augsburger Bischof sich nicht ins kirchenreformerische Lager einordnen lässt, ist wahrlich kein Geheimnis. Wichtiger ist ohnehin die Kritik, die er zwischen den Zeilen an seinen Amtsbrüdern zu äußern hatte. Es zeugt von einer selten gewordenen Prinzipientreue, einer Bewegung auch bei noch so gutem Willen zu widersprechen, wenn diese eben die falschen Anliegen vertritt. Zdarsa artikuliert, was selbst Oberhirten sich oft kaum mehr zu sagen trauen: Was nicht im Sinne des Glaubens ist, ist auch nicht gut.

    In diesem Zusammenhang ist auch bemerkenswert, dass Zdarsa sich als erster Diözesanbischof öffentlich als Gegner des „synodalen Weges“ zu erkennen gibt. Zunächst hatte Kardinal Reinhard Marx noch versucht, den Entschluss zu dieser neuerlichen Rederunde als einmütiges Votum zu verkaufen. Doch auch die Bezeichnung als „einstimmiger Beschluss“ konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht alle Bischöfe gewillt waren und sind, diesen Weg zu gehen. Nun wissen wir, dass Zdarsa zu der kleinen Minderheit gehörte, die sich – diplomatisch – der Stimme enthielten. In den Größenordnungen der von Marx straff geführten Bischofskonferenz entspricht das beinahe schon offenem Dissidententum. Zdarsa wird in seiner kurzen restlichen Amtszeit keinen großen Wert mehr auf Zurückhaltung legen. Ein Ausgleich, das ist der entscheidende Hinweis seiner Wortmeldung, dürfte ohnehin kaum zu erreichen sein. Die Kirche in Deutschland steuert mit dem „synodalen Weg“ auf eine offene Konfrontation zu. Zdarsa hat Recht, wenn er warnt, dass dieser Weg Spaltungen kaum wird heilen können. Im Gegenteil, sie werden nun erst richtig sichtbar.

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