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    Kommentar: Einsicht statt Zugeständnis

    Ungetrübte Osterfreude mochte im Bistum Trier in diesem Jahr nicht aufkommen. Bischof Ackermann sah sich vor dem Fest harscher medialer Kritik ausgesetzt, weil Geistliche, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht hatten, weiter als Priester in seiner Diözese tätig waren. Zwar bewegte sich Ackermann im grünen Bereich der bischöflichen Leitlinien. Null Toleranz im Umgang mit Tätern war in deutschen Bistümern nie wörtlich zu verstehen. Anders als beim amerikanischen Modell, in dem es kein Zurück in den priesterlichen Dienst gibt für Geistliche, die des sexuellen Missbrauchs überführt wurden, können geweihte Straftäter hierzulande unter Auflagen weiterwirken.

    Ungetrübte Osterfreude mochte im Bistum Trier in diesem Jahr nicht aufkommen. Bischof Ackermann sah sich vor dem Fest harscher medialer Kritik ausgesetzt, weil Geistliche, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht hatten, weiter als Priester in seiner Diözese tätig waren. Zwar bewegte sich Ackermann im grünen Bereich der bischöflichen Leitlinien. Null Toleranz im Umgang mit Tätern war in deutschen Bistümern nie wörtlich zu verstehen. Anders als beim amerikanischen Modell, in dem es kein Zurück in den priesterlichen Dienst gibt für Geistliche, die des sexuellen Missbrauchs überführt wurden, können geweihte Straftäter hierzulande unter Auflagen weiterwirken.

    Die moderate deutsche Regelung hat sich allerdings nicht bewährt, nur weil sich kein deutsches Bistum dem Druck von Sammelklagen nach amerikanischem Muster ausgesetzt sieht. Viele Diözesanleitungen blenden aus, dass die „zweite Chance“ oft zu Lasten unbescholtener Priester geht. Wenn Gläubige sich nicht darauf verlassen können, dass Bistumsleitungen auf sexuellen Missbrauch durch Geistliche mit klaren Schnitten reagieren, entsteht ein Klima der Verunsicherung und des leicht entflammbaren Misstrauens. Es lässt sich nicht dadurch aus der Welt schaffen, dass des Missbrauchs überführte Geistliche in Archiven oder Altenheimen arbeiten. Eine vielfach lax propagierte „Fürsorgepflicht“ gegenüber Straftätern haben unbescholtene Priester und Laien mit ihrem guten Namen bezahlt. Die Erfahrungen der Missbrauchskrise haben gelehrt, dass zu den Betroffenen auch Mitarbeiter im kirchlichen Dienst zu rechnen sind, deren Leben durch unbegründete Verdächtigungen und Rufmord irreparabel beschädigt wurde.

    Dass Bischof Ackermann nun Nachbesserungsbedarf bei den Leitlinien sieht, wirkt zwiespältig. Hätte sich das Bistum Trier ohne den Blick in den „Spiegel“ bewegt? Die Glaubwürdigkeit der Kirche verlangt eine konsequente Null-Toleranz-Politik. Doch sollte diese von Einsicht getragen sein. Das ist mehr als ein Zugeständnis an den Druck säkularer Medien.