• aktualisiert:

    Kommentar: Einer, der ganz gerne spricht

    Wie wichtig sind private Äußerungen des Papstes zu nehmen, wenn sich Franziskus in lockerem Ton und deshalb absolut nicht „unfehlbar“ gegenüber Medienvertretern äußert? Die beteiligten Journalisten tun das offenbar schon. Wie jetzt Massimo Franco vom „Corriere della sera“, der eine ganze Menge von päpstlichen Sätzen mitschreiben konnte, als er und andere Franziskus im Gästehaus Santa Marta aufsuchten (siehe Seite 4). Das ist dann ein echter Knüller, wenn man Urteile und Gedanken des Papstes im eigenen Blatt veröffentlichen kann. Auch Eugenio Scalfari, Gründer der linksliberalen „La Repubblica“, war ja mächtig stolz, dass er – ohne Aufnahmegerät oder Mitschrift, sondern nur aus der Erinnerung – gleich zweimal über ausführliche Unterhaltungen mit dem Jesuiten-Papst berichten konnte. Im Vatikan hat man sich inzwischen eine dicke Haut zugelegt, sowohl in den Medienabteilungen wie im Staatssekretariat. Obwohl man sagen muss, dass die beiden Scalfari-Interviews mit ihren teilweise missverständlichen Papstzitaten den Vatikansprecher Federico Lombardi heftig schwitzen ließen.

    Guido Horst. Foto: DT

    Wie wichtig sind private Äußerungen des Papstes zu nehmen, wenn sich Franziskus in lockerem Ton und deshalb absolut nicht „unfehlbar“ gegenüber Medienvertretern äußert? Die beteiligten Journalisten tun das offenbar schon. Wie jetzt Massimo Franco vom „Corriere della sera“, der eine ganze Menge von päpstlichen Sätzen mitschreiben konnte, als er und andere Franziskus im Gästehaus Santa Marta aufsuchten (siehe Seite 4). Das ist dann ein echter Knüller, wenn man Urteile und Gedanken des Papstes im eigenen Blatt veröffentlichen kann. Auch Eugenio Scalfari, Gründer der linksliberalen „La Repubblica“, war ja mächtig stolz, dass er – ohne Aufnahmegerät oder Mitschrift, sondern nur aus der Erinnerung – gleich zweimal über ausführliche Unterhaltungen mit dem Jesuiten-Papst berichten konnte. Im Vatikan hat man sich inzwischen eine dicke Haut zugelegt, sowohl in den Medienabteilungen wie im Staatssekretariat. Obwohl man sagen muss, dass die beiden Scalfari-Interviews mit ihren teilweise missverständlichen Papstzitaten den Vatikansprecher Federico Lombardi heftig schwitzen ließen.

    Der interessierte Leser muss bei der Wiedergabe der päpstlichen Journalisten-gespräche unterscheiden. Das Interview-Buch mit Andrea Tornielli – „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“ – ist eine ganz seriöse Sache. Franziskus hat das Manuskript gegengelesen und autorisiert. Daraus kann man zitieren. Was der Papst aber ganz privat zum Beispiel gegenüber Scalfari und Franco zum Besten gegeben hat, sollte man mit Vorsicht genießen – und besser nicht zitieren. Oder wie es jetzt Radio Vatikan formulierte: Diese Worte könne man nicht auf die Goldwaage legen. Wieder etwas anderes sind die Gespräche, die Franziskus bei Reisen im Flugzeug mit den mitfliegenden Medienvertretern führt. Von ihnen gibt es eine offizielle Abschrift, die der Pressesaal des Vatikans herausgibt. Das kann man wiederum zitieren, auch wenn der Stellenwert dieser Äußerungen nicht allzu hoch anzusiedeln ist. Der Argentinier Franziskus fühlt sich wohl unter Menschen und redet gerne. Überbewerten sollte man die entsprechenden Zitate aber nicht.