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    Kommentar: Eine stille Palastrevolution

    Das große Russland macht mit, ebenso das kleine Monaco. Deutschland, Frankreich oder England stehen nicht auf der Liste der dreißig Staaten, die das unter dem Namen „Moneyval“ bekannt gewordene Expertengremium des Europarats derzeit durchleuchtet. Dafür aber wiederum Israel und der Vatikan. Die beiden letzteren gehören dem Europarat gar nicht an, die 28 anderen Staaten schon. Aber Rom hat es offensichtlich als sinnvoll angesehen, sich in Sachen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung das Gütesiegel von Moneyval ausstellen zu lassen. Denn darum geht es bei diesem Expertengremium, das penibel nachprüft, ob Staaten als Finanzplatz „sauber“ sind oder sich als Schauplatz dunkler Geschäfte eignen.

    Das große Russland macht mit, ebenso das kleine Monaco. Deutschland, Frankreich oder England stehen nicht auf der Liste der dreißig Staaten, die das unter dem Namen „Moneyval“ bekannt gewordene Expertengremium des Europarats derzeit durchleuchtet. Dafür aber wiederum Israel und der Vatikan. Die beiden letzteren gehören dem Europarat gar nicht an, die 28 anderen Staaten schon. Aber Rom hat es offensichtlich als sinnvoll angesehen, sich in Sachen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung das Gütesiegel von Moneyval ausstellen zu lassen. Denn darum geht es bei diesem Expertengremium, das penibel nachprüft, ob Staaten als Finanzplatz „sauber“ sind oder sich als Schauplatz dunkler Geschäfte eignen.

    Das liegt ganz auf der Linie der Transparenz, die der Papst für alle Geldbewegung beim Heiligen Stuhl und im Vatikanstaat angeordnet hat. Zu diesem Zweck hat er im Dezember 2010 eine neue finanzielle Aufsichtsbehörde für den Heiligen Stuhl und den Vatikan geschaffen, die „Autorita die Informazione Finanziaria“ (AIF), der Kardinal Attilio Nicora vorsteht. Diese „Autorität“ soll alle Finanz- und Währungsbewegungen im Kirchenstaat kontrollieren und überprüfen – egal ob sie unter der Federführung einer Kongregation wie der mit Immobilien reich gesegneten „Propaganda Fide“, der Verwaltung des Vatikanstaats oder des päpstlichen Bankinstituts IOR geschehen. Es ist ein epochaler Schritt, den Benedikt XVI. da den Vatikan machen lässt, sozusagen eine Palastrevolution hinter leoninischen Mauern, die man nicht unterschätzen darf. Bedenkt man, wie tief etwa jenes Missions-Dikasterium, die „Propaganda Fide“, in Bauskandale und Bestechungsvorwürfe verwickelt war, muss man den Mut des Papstes bewundern. Jetzt hat Moneyval seinen Bericht über den Vatikan veröffentlicht: Das Glas ist halbvoll, lautet die Botschaft, das heißt der Kirchenstaat ist auf dem richtigen Weg, muss aber in einigen Punkten nachbessern. Das Ringen um das liebe Geld und dessen Kontrolle im Vatikan geht also weiter.