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    Kommentar: Eine Anfrage an unsere Kultur

    Nicht jede Frau reagiert so schlagfertig wie jene Journalistin, über deren Knie der britische Verteidigungsminister Michael Fallon stolperte. Vor 15 Jahren soll er der Journalistin Julia Hartley ans Knie gefasst haben, worauf diese ihm Schläge androhte. Als Fallon deshalb jetzt zurücktrat, nannte Hartley dies einen lächerlichen Rücktritt, hinter dem mehr stecken müsse. Zweimal souverän reagiert! Chapeau! Doch so souverän solche Schlagfertigkeit ist, sie darf nicht der Maßstab sein. Von Frauen rhetorische oder gar körperliche Wehrhaftigkeit zu fordern, hieße wehrlose Opfer sexueller Belästigung doppelt zu Opfern zu machen. Männer, die sich nicht im Griff haben und darum übergriffig werden, sind nicht Charmeure, sondern Missbrauchstäter. Da geht es um individuelle Schuld, die nach Entschuldigung ruft. Es geht aber auch um unsere Kultur: Wenn Internet, Fernsehen, Magazine und Werbung uns stetig Frauen als verfügbare Sexualobjekte präsentieren, prägt das die Frauenbilder in Männerköpfen. Dass in familienfernen Milieus dann Stil und Hemmungen fallen, ist damit nicht zu entschuldigen, aber wenigstens teilweise zu erklären. Unsere Gesellschaft hat sich von jener „der Frau gebührenden Achtung und Ehrfurcht“, welche Johannes Paul II. beschrieb, entfernt. So verfiel die im Abendland gewachsene Kultur der Dame – und jetzt wundern wir uns über die vielen individuellen Entgleisungen.

    Stephan Baier.
    Stephan Baier. Foto: DT

    Nicht jede Frau reagiert so schlagfertig wie jene Journalistin, über deren Knie der britische Verteidigungsminister Michael Fallon stolperte. Vor 15 Jahren soll er der Journalistin Julia Hartley ans Knie gefasst haben, worauf diese ihm Schläge androhte. Als Fallon deshalb jetzt zurücktrat, nannte Hartley dies einen lächerlichen Rücktritt, hinter dem mehr stecken müsse. Zweimal souverän reagiert! Chapeau! Doch so souverän solche Schlagfertigkeit ist, sie darf nicht der Maßstab sein. Von Frauen rhetorische oder gar körperliche Wehrhaftigkeit zu fordern, hieße wehrlose Opfer sexueller Belästigung doppelt zu Opfern zu machen. Männer, die sich nicht im Griff haben und darum übergriffig werden, sind nicht Charmeure, sondern Missbrauchstäter. Da geht es um individuelle Schuld, die nach Entschuldigung ruft. Es geht aber auch um unsere Kultur: Wenn Internet, Fernsehen, Magazine und Werbung uns stetig Frauen als verfügbare Sexualobjekte präsentieren, prägt das die Frauenbilder in Männerköpfen. Dass in familienfernen Milieus dann Stil und Hemmungen fallen, ist damit nicht zu entschuldigen, aber wenigstens teilweise zu erklären. Unsere Gesellschaft hat sich von jener „der Frau gebührenden Achtung und Ehrfurcht“, welche Johannes Paul II. beschrieb, entfernt. So verfiel die im Abendland gewachsene Kultur der Dame – und jetzt wundern wir uns über die vielen individuellen Entgleisungen.

    Der Fall des Politikers Peter Pilz, der Österreich aktuell in Atem hält, verweist auf eine weitere Dimension: Im Rechtsstaat braucht es auch für den Tatbestand der sexuellen Belästigung rechtsstaatliche Verfahren. Bei allem Verständnis für Diskretion und Opferschutz muss ein Beschuldigter doch die Möglichkeit haben, Vorwürfe konkret zu erfahren und konkret reagieren zu können. So schwierig Beweisführung hier sein mag, die Unschuldsvermutung gilt doch, und Beweislastumkehr ist nicht legitim. Wird der Vorwurf sexueller Belästigung zur politischen Waffe, um Gegner zur Strecke zu bringen (das wirft Pilz den Grünen vor), dann werden jene Frauen, die tatsächlich Missbrauchsopfer wurden, neuerlich missbraucht – für politische Intrigen.

    von Stephan Baier

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