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    Kommentar: Ein Tiefpunkt politischer Kultur

    Nach dem TV-Duell schien es noch einmal spannend zu werden: Peer Steinbrück kletterte durch einen starken Auftritt in von ihm bislang noch nie erreichte Popularitätshöhen. Doch die Luft da oben scheint dem SPD-Kanzlerkandidaten nicht gut getan zu haben. Anders lässt sich das Stinkefinger-Bild im SZ-Magazin (siehe Seite 9) nicht erklären. Das Bild ist Teil eines Foto-Interviews. Und der Stinkefinger die Reaktion auf die provokante Frage „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“ Darf er das? Die klare Antwort: Nein! Nicht nur, weil er damit Klugheit und jeden Anstand vermissen lässt. Und auch nicht nur, weil er damit persönliche Schwächen zeigt und offenbart, dass er mit Druck nicht umgehen kann. Sondern auch, weil sich Steinbrück für ein bisschen Aufmerksamkeit in den Medien völlig lächerlich macht. Wer derart peinlich agiert, bringt sich selbst ums Kanzleramt. Sein Stinkefinger ist ein Tiefpunkt politischer Kultur.

    Clemens Mann. Foto: Archiv

    Nach dem TV-Duell schien es noch einmal spannend zu werden: Peer Steinbrück kletterte durch einen starken Auftritt in von ihm bislang noch nie erreichte Popularitätshöhen. Doch die Luft da oben scheint dem SPD-Kanzlerkandidaten nicht gut getan zu haben. Anders lässt sich das Stinkefinger-Bild im SZ-Magazin (siehe Seite 9) nicht erklären. Das Bild ist Teil eines Foto-Interviews. Und der Stinkefinger die Reaktion auf die provokante Frage „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“ Darf er das? Die klare Antwort: Nein! Nicht nur, weil er damit Klugheit und jeden Anstand vermissen lässt. Und auch nicht nur, weil er damit persönliche Schwächen zeigt und offenbart, dass er mit Druck nicht umgehen kann. Sondern auch, weil sich Steinbrück für ein bisschen Aufmerksamkeit in den Medien völlig lächerlich macht. Wer derart peinlich agiert, bringt sich selbst ums Kanzleramt. Sein Stinkefinger ist ein Tiefpunkt politischer Kultur.

    Peer Steinbrück hat im Wahlkampf viel Prügel einstecken müssen. Von seiner eigenen Partei anfangs kritisch beäugt, fielen Journalisten wie eine wilde Meute über ihn her. Monatelange Negativ-Schlagzeilen zehren am Selbstvertrauen. Doch von einer medialen Hetzkampagne gegen Steinbrück – er deutete das immer wieder an – kann keine Rede sein. Für seine Fehltritte, die ihm die zweifelhaften Spitznamen einbrachten, ist Steinbrück selbst verantwortlich. Wer austeilt – und Steinbrück treibt es mit seinem Humor gerne bis über die Grenze politischer Korrektheit – muss auch einstecken können.

    Die SPD betont gerne, dass Steinbrück klare Kante zeigt und Klartext spricht. Mit seinen scharfsinnigen Argumentationen und brillantem Sachverstand ist er ein exzellenter Politiker. Mit dem Stinkefinger-Bild tritt er aber dieses Bild selbst mit Füßen. Politiker leben von ihrer Glaubwürdigkeit. Sie sind Vorbilder wie Spitzensportler. Der Fußballer Stefan Effenberg zeigte 1994 den Stinkefinger und wurde dafür aus der Nationalmannschaft geworfen.