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    Kommentar: „Ein Schritt vor, zwei zurück“

    „Zwei Schritte vor, einer zurück.“ Wer sich – wie etwa auf der Echternacher Springprozession – mit diesem klassischen Pilgerschritt durchs Leben bewegt, der kommt – wenn auch langsamer – so doch ans Ziel. Im Fall der Echternacher Pilger ist dieses ein lohnendes und bekanntes: Die Echternacher Basilika, in der die sterblichen Überreste des Heiligen Willibrord, ruhen. Dagegen wird das Ziel der Reise, auf die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Deutschen mit der Neufassung des Referentenentwurfs des „Gesetzes zur Strafbarkeit der gewerbsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ einzuladen gedenkt, mehr oder weniger versteckt. Was auch daran liegt, dass der Entwurf die Schrittfolge der Echternacher Pilger einfach umdreht.

    Stefan Rehder. Foto: DT

    „Zwei Schritte vor, einer zurück.“ Wer sich – wie etwa auf der Echternacher Springprozession – mit diesem klassischen Pilgerschritt durchs Leben bewegt, der kommt – wenn auch langsamer – so doch ans Ziel. Im Fall der Echternacher Pilger ist dieses ein lohnendes und bekanntes: Die Echternacher Basilika, in der die sterblichen Überreste des Heiligen Willibrord, ruhen. Dagegen wird das Ziel der Reise, auf die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Deutschen mit der Neufassung des Referentenentwurfs des „Gesetzes zur Strafbarkeit der gewerbsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ einzuladen gedenkt, mehr oder weniger versteckt. Was auch daran liegt, dass der Entwurf die Schrittfolge der Echternacher Pilger einfach umdreht.

    So ist es zwar ein Schritt nach vorne, wenn die neue Fassung in den Erläuterungen erstmalig klarstellt, dass die „Gewerbsmäßigkeit auch dann erfüllt sein“ könne, „wenn die durch die Suizidhilfe erstrebten Einnahmen als Mitgliedsbeiträge an einen Verein fließen und dem oder den Suizidhelfern aus diesen Mitteln ein Gehalt oder Honorar gezahlt wird oder werden soll“. Doch was folgt sind zwei Schritte zurück, die in die entgegengesetzte Richtung weisen, in die der Entwurf zu marschieren vorgibt. Denn der hinzugekommene Absatz 2 des geplanten Paragrafen 217 StGB stellt nun all jene straffrei, die dem Suizidenten nahe stehen und ihm auf nicht gewerbsmäßige Weise bei der Selbsttötung unterstützen. Darunter nicht nur Angehörige, sondern auch Hausärzte und Pflegekräfte. Dass ausgerechnet jene straffrei bei einem Suizid assistieren können sollen, die einem lebensmüden Menschen am nächsten stehen, ist eine geradezu diabolische Umdeutung von Liebe, Freundschaft und Solidarität. Hier drängt der säkulare Staat seinen Bürgern einen Gedanken auf, der ihrer Natur widerspricht. Nämlich dass man aus Zuneigung töten oder dabei hilfreich sein dürfe. Der Schriftsteller Stanislaw Jerzy Lec hatte wohl Recht, als er schrieb: „Wir wissen, dass wir auf dem falschen Weg sind, kompensieren dieses Manko aber durch Beschleunigung.“