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    Würzburg

    Kommentar : Durch das wilde Absurdistan

    Der Abtreibungserlass des hessischen Innenministeriums zeigt auf, wie inkonsistent die Welt der Abtreibungsbefürworter ist.

    Was ein Eingriff nicht bewerkstelligen können soll, der aus dem Mutterleib eine Todeszelle macht, soll ein Rosenkranz be... Foto: Oliver Mehlis (dpa-Zentralbild)

    Die inkonsistente Welt der Abtreibungsbefürworter ist um eine Absurdität reicher. Dieselbe Frau, die so stark, so selbstbestimmt und so mündig ist, dass sie in einem Schwangerschaftskonflikt, in dem für die meisten Menschen die eigene, überschaubare Welt zumindest zeitweilig aus den Fugen gerät, nicht vor Werbeprofis für Abtreibungen geschützt werden muss, ist so schwach, so beeinflussbar und so unmündig, dass sie auf dem Weg zu einer Scheinberatungsstelle, einer Praxis oder Klinik, vor Lebensrechtlern, die ihr Hilfe anbieten, bewahrt werden muss.

    Ein "Danke, aber nein danke!" ist wohl nicht zumutbar

    Ein „Danke, aber nein danke!“ ist ihr nicht zumutbar. Jedenfalls nicht in Hessen. Schlimmer noch: Dieselben „Experten“, die Gesundheitsminister Spahn vorwerfen, Steuergeld für eine Studie zu verschleudern, die der Frage nachgehen soll, ob Frauen nach einer vorgeburtlichen Kindstötung psychische Folgeschäden davontragen können, werfen Lebensrechtlern jetzt vor, Schwangere mit ihrer bloßen Präsenz zu traumatisieren.

    Was ein Eingriff nicht bewerkstelligen können soll, der aus dem Mutterleib eine Todeszelle macht, soll ein Rosenkranz betender Lebensrechtler oder ein angereichtes Faltblatt fertigbringen? Geht's noch? Nun ließe sich über den Kabelbrand im Führerhaus von Abtreibungslobbyisten der barmherzige Mantel des Schweigen breiten, wenn Medien und Politik aus ihm die richtigen Schlüsse zögen.

    Journalisten beten nach, was die Abtreibungslobby ihnen einflüstert

    Dem ist aber nicht so. Journalisten beten nach, was die Abtreibungslobby ihnen einflüstert, Politiker lassen sich zum Jagen tragen. Zugegeben: Der kritisierte Erlass aus Hessen weist die Kommunen nicht explizit an, Bannmeilen um Beratungsstellen, Praxen und Kliniken zu errichten, auf dass Schwangere dort keine Lebensrechtler mehr zu Gesicht bekommen. Wahr ist aber auch: Wer sich dazu bereit findet, kann sich künftig auf ihn berufen. Die, die das nicht hinnehmen wollen, werden sich den Weg durch's wilde Absurdistan klagen müssen.

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