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    Kommentar: Die schwärzesten Stunden

    Am Sonntag ist Angela Merkel zehn Jahre Bundeskanzlerin. Zehn Jahre, in denen die Republik keine großen Visionen verfolgte, aber solide arbeitete. Die Kanzlerin zeigte sich in erster Linie als Krisenmanagerin – und kam damit an. Ihr unaufgeregter Politikstil, gepaart mit Bodenständigkeit, führten dazu, dass sich viele bei ihr gut aufgehoben fühlten – in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise bis hin zum Konflikt um die Ukraine, ja selbst noch beim Streit um den richtigen Umgang mit Griechenland. Und so hatte vor der Sommerpause – trotz eines nicht unbeträchtlichen Widerstandes gegen die griechischen Hilfspakete in der Union – kaum jemand Zweifel daran, dass das Regieren mit dieser Kanzlerin weiterlaufen würde, auch über 2017 hinaus.

    Am Sonntag ist Angela Merkel zehn Jahre Bundeskanzlerin. Zehn Jahre, in denen die Republik keine großen Visionen verfolgte, aber solide arbeitete. Die Kanzlerin zeigte sich in erster Linie als Krisenmanagerin – und kam damit an. Ihr unaufgeregter Politikstil, gepaart mit Bodenständigkeit, führten dazu, dass sich viele bei ihr gut aufgehoben fühlten – in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise bis hin zum Konflikt um die Ukraine, ja selbst noch beim Streit um den richtigen Umgang mit Griechenland. Und so hatte vor der Sommerpause – trotz eines nicht unbeträchtlichen Widerstandes gegen die griechischen Hilfspakete in der Union – kaum jemand Zweifel daran, dass das Regieren mit dieser Kanzlerin weiterlaufen würde, auch über 2017 hinaus.

    Dann kamen die Flüchtlinge. Wie die meisten Staats- und Regierungschefs in Europa hatte im Vorfeld auch Merkel die Dimension verkannt. „Schengen“ und „Dublin“ waren die Synonyme dafür, dass andere sich mit dem Problem befassen mussten, die Italiener und Griechen vornehmlich. Wie viele Hunderttausend in den Lagern in der Türkei, in Libanon oder Jordanien waren, wusste man sehr wohl. Doch dass dem UNHCR das Geld ausging, um diese Menschen angemessen zu versorgen, drang nicht durch. Erst als die Nachrichten von immer mehr Toten auf dem Mittelmeer nicht mehr zu überhören waren, erst als die endlosen Trecks der Balkan-Route bei uns anklopften, machte die Kanzlerin den Vorgang zur Chefsache. Das tat Merkel in einer Weise, wie man sie bei ihr bislang nur beim Atomausstieg kannte: Kein langes Abwägen, keine endlosen Beratungen, sondern einfach entscheiden – gegen die Kernkraft und für die offenen Grenzen. In beiden Fällen ist nicht garantiert, dass Deutschland das gut verkraftet. In beiden Fällen aber setzt Merkel auf das Potenzial der Deutschen. Ihrem „Wir schaffen das“ liegt die Annahme zugrunde: Wenn nicht wir, wer dann?

    Die Lage hat sich schließlich zugespitzt durch den IS-Terror. Er bedroht den Alltag aller westlichen Gesellschaften. Die Islamisten morden wahllos und machen sich die Verletzlichkeit der freien Welt zunutze. Die Politik stellen sie damit als weitgehend machtlos dar. Für Merkel heißt das: Das Ende der Rationalität und des Arguments entzieht ihr einen wesentlichen Baustein ihres Regierungshandelns. Das Austarieren der verschiedenen Interessen, die Suche nach einem Kompromiss, ihre Pendel-Diplomatie zwischen divergierenden Kräften stößt bei diesem Thema an Grenzen. Die „mächtigste Frau der Welt“, zu der sie das Forbes Magazin kürte, erscheint da wie die meisten ihrer Amtskollegen in Teilen ohnmächtig.

    Deutschland ist wie Frankreich im Visier der Terroristen. Die Absage des Länderspiels vom Dienstagabend hat das deutlich vor Augen geführt. Zu hoffen ist, dass die Sicherheitsbehörden auch künftig Anschläge verhindern. Garantiert ist das nicht. Die Kanzlerin strahlt eine stoische Ruhe aus. Die Begrifflichkeit vom Krieg macht sie sich nicht zu eigen. Alarmismus ist nicht ihre Sache. Auch wenn sie derzeit die bislang schwärzesten Stunden ihrer Amtszeit erlebt. Horst Seehofer ebenso wie ihre CDU-interne Kritiker wissen, dass es nun auf Zusammenhalt ankommt. Angst zu schüren, zahlt nur bei der AfD ein. So fehlt auch zum zehnten Jahrestag der Kanzlerschaft eine wirkliche Alternative zu Angela Merkel.