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    Kommentar: Die Radikalen werden lauter

    Israelis und Palästinenser verhandeln bekanntlich seit einigen Monaten auf amerikanischen Druck hin über eine Lösung ihres Jahrhundertkonflikts. Man kann nicht sagen, dass irgend jemand damit große Hoffnungen verbindet – von US-Außenminister John Kerry vielleicht einmal abgesehen. Lauter werden indes jetzt die Radikalen auf beiden Seiten. Die Hamas, nach ihrem Abrücken von der iranisch dominierten „Widerstandsachse“ und seit Mursis Sturz die strategische Verliererin des „Arabischen Frühlings“, rief Palästinenserpräsident Abbas am Samstag zu einer Beendigung der Gespräche und einer dritten Intifada auf. Dass die Radikal-Islamisten nicht spaßen, zeigt der kürzlich entdeckte „Terrortunnel“: Über hunderte Meter führte er aus dem Gazastreifen nach Israel. Sein mutmaßlicher Zweck: Die Entführung eines oder mehrerer Israelis. Auf der anderen Seite trommelt Avigdor Lieberman. Hätte er nicht ein Korruptionsverfahren am Hals, wäre der Mann Außenminister Israels. Premier Netanjahu vertritt ihn bis zu einem erhofften Freispruch. Liebermans von russischen Emigranten und Siedlern getragene Partei „Israel Beiteinu“ regiert mit. Abbas sei kein Partner für den Frieden, verkündete er jetzt und drückt damit die Stimmung weiter Teile des Regierungslagers aus.

    Israelis und Palästinenser verhandeln bekanntlich seit einigen Monaten auf amerikanischen Druck hin über eine Lösung ihres Jahrhundertkonflikts. Man kann nicht sagen, dass irgend jemand damit große Hoffnungen verbindet – von US-Außenminister John Kerry vielleicht einmal abgesehen. Lauter werden indes jetzt die Radikalen auf beiden Seiten. Die Hamas, nach ihrem Abrücken von der iranisch dominierten „Widerstandsachse“ und seit Mursis Sturz die strategische Verliererin des „Arabischen Frühlings“, rief Palästinenserpräsident Abbas am Samstag zu einer Beendigung der Gespräche und einer dritten Intifada auf. Dass die Radikal-Islamisten nicht spaßen, zeigt der kürzlich entdeckte „Terrortunnel“: Über hunderte Meter führte er aus dem Gazastreifen nach Israel. Sein mutmaßlicher Zweck: Die Entführung eines oder mehrerer Israelis. Auf der anderen Seite trommelt Avigdor Lieberman. Hätte er nicht ein Korruptionsverfahren am Hals, wäre der Mann Außenminister Israels. Premier Netanjahu vertritt ihn bis zu einem erhofften Freispruch. Liebermans von russischen Emigranten und Siedlern getragene Partei „Israel Beiteinu“ regiert mit. Abbas sei kein Partner für den Frieden, verkündete er jetzt und drückt damit die Stimmung weiter Teile des Regierungslagers aus.

    Derartige Reaktionen der jeweiligen Flügelkräfte auf beiden Seiten waren erwartbare Begleitmusik der Gespräche. Doch auch ohne sie ist eine Lösung des Konflikts nicht einfach. Den Palästinensern geht es um Grenzen, Israel um Sicherheit. Beides verträgt sich aufgrund der Topografie der Region aber nicht ohne Weiteres. Die Israelis, so hört man, bestehen auf einer dauerhaften Militärpräsenz im Jordantal, wo der künftige Palästinenserstaat an Jordanien grenzen würde. Anders, so fürchten sie, ließe sich die Sicherheit im Westjordanland nicht garantieren. Waffen und Terroristen könnten über Jordanien nach Palästina gelangen. Die Palästinenser empfinden eine solche Militärpräsenz nach Jahren der Besatzung als Zumutung. Weder einen israelischen Siedler noch Soldaten wollen sie auf ihrem Gebiet dulden. Noch bevor die Prophezeiungen der Radikalen in Erfüllung gehen, könnten also die Gespräche scheitern. Und von den heißen Eisen – den Grenzen, Siedlungen, Flüchtlingen und von Jerusalem – war da noch gar nicht die Rede.