• aktualisiert:

    Kommentar: Die Aufteilung der Kriegsbeute

    Syriens Präsident Baschar al-Assad unternahm in dieser Woche seinen ersten Auslandsbesuch seit Beginn des Kriegs 2011: Wenig überraschend reiste er nach Moskau – zu Putin und auf Einladung Putins. Dieser Auftritt ist in beider Interesse: Syriens Autokrat macht der Welt klar, dass er weiter Teil des Spiels um Syrien ist, ja dass er mit diesem Protektor ein unumgehbarer Faktor jeder denkbaren Lösung sein wird. Russlands Autokrat ist mit dem Militäreinsatz in Syrien auf die Bühne der Weltpolitik zurückgekehrt und stellt klar, dass die Karten des neuen Nahen Ostens nicht gezeichnet werden können, ohne dass Moskau am Verhandlungstisch sitzt. Assad und Putin versicherten, dass das syrische Volk das letzte Wort über die Zukunft des Landes habe, und dass sie an der Einheit und Unabhängigkeit Syriens festhielten. Das aber ist Propaganda pur, denn über die Zukunft Syriens befinden ausschließlich ausländische Mächte, deren Ziel kein unabhängiges Syrien ist. Die Einheit des Landes ist längst zerbrochen.

    Stephan Baier. Foto: DT

    Syriens Präsident Baschar al-Assad unternahm in dieser Woche seinen ersten Auslandsbesuch seit Beginn des Kriegs 2011: Wenig überraschend reiste er nach Moskau – zu Putin und auf Einladung Putins. Dieser Auftritt ist in beider Interesse: Syriens Autokrat macht der Welt klar, dass er weiter Teil des Spiels um Syrien ist, ja dass er mit diesem Protektor ein unumgehbarer Faktor jeder denkbaren Lösung sein wird. Russlands Autokrat ist mit dem Militäreinsatz in Syrien auf die Bühne der Weltpolitik zurückgekehrt und stellt klar, dass die Karten des neuen Nahen Ostens nicht gezeichnet werden können, ohne dass Moskau am Verhandlungstisch sitzt. Assad und Putin versicherten, dass das syrische Volk das letzte Wort über die Zukunft des Landes habe, und dass sie an der Einheit und Unabhängigkeit Syriens festhielten. Das aber ist Propaganda pur, denn über die Zukunft Syriens befinden ausschließlich ausländische Mächte, deren Ziel kein unabhängiges Syrien ist. Die Einheit des Landes ist längst zerbrochen.

    Weil spätestens seit der Militärintervention Moskaus keine Seite mehr alles gewinnen kann, ist die Aufteilung Syriens zu einer Option der viel beschworenen „politischen Lösung“ geworden. Washington und seine Hörigen könnten sich mit einem sunnitischen Rest-Syrien unter saudischer Regie anfreunden. Die Türkei würde einen nord-syrischen Kurdenstaat zähneknirschend und unter Konditionen wohl ebenso schlucken, wie sie den nord-irakischen Kurdenstaat hinnahm. Russland hätte mit einem von Assad geführten Alawiten-Staat an der Levante-Küste nicht nur einen weltpolitischen Sieg errungen, sondern seinen Militärstützpunkt am Mittelmeer gerettet – und seinen dauerhaften Einfluss in Nahost gefestigt. Sicherer würde der Nahe Osten durch die Aufteilung Syriens nicht, denn die von fremden Protektoren gesteuerten Kleinstaaten wären auf lange Sicht der ideale Austragungsort für Stellvertreterkriege der Regionalmächte. Für die arabischen Christen aber wäre es doppelt bitter: Sie wollten nie in ein Reservat gesperrt werden, sondern „Salz der Erde“ sein, oder – wie der melkitische Patriarch Gregorios formuliert – „Kirche im Islam“.