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    Kommentar: Der Nimbus der Unbesiegbarkeit

    Große Überraschungen gibt es bei Papstwahlen, doch in der Politik? Schon lange nicht mehr erlebt. Weder in den Vereinigten Staaten noch in Russland, und so wie es zurzeit aussieht auch nicht in Deutschland. Zwar wird erst in fünf Monaten gewählt, Zeit genug also für Hochwasser, Finanzkrisen und militärische Interventionen, um das politische Szenario ein bisschen durchzuschütteln, doch wenn man sich die persönlichen Umfragewerte anschaut, sieht es für die seit acht Jahren regierende Bundeskanzlerin Angela Merkel recht gut aus. Der Vorsprung vor dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück wirkt mit einer Zweidrittel-Mehrheit solide. Zumal Steinbrücks Wahlkampf aufgrund von Irritationen und Fehlern von Anfang an mehr Merkel diente als ihm selbst. „Ich will Kanzler unserer Bundesrepublik Deutschland werden, weil ich mit Euch gemeinsam unser Land wieder ins Lot bringen will.“ Das hat Steinbrück beim SPD-Parteitag in Augsburg gesagt und, mögen die Parteifreunde auch – wie es die Regie vorsieht – in lauten Jubel ausgebrochen sein – der Satz wirkt so hölzern und aufgesetzt wie Steinbrücks zupackende Gestik. Das Fäusteballen. Der letzte SPD-Kanzler Gerhard Schröder konnte so etwas pointierter – sprachlich wie körperlich: „Ich will da rein“, rief Schröder in Richtung Kanzleramt. Die geballte Faust war seine Spezialität, vor allem, wenn nichts anderes mehr ging.

    Große Überraschungen gibt es bei Papstwahlen, doch in der Politik? Schon lange nicht mehr erlebt. Weder in den Vereinigten Staaten noch in Russland, und so wie es zurzeit aussieht auch nicht in Deutschland. Zwar wird erst in fünf Monaten gewählt, Zeit genug also für Hochwasser, Finanzkrisen und militärische Interventionen, um das politische Szenario ein bisschen durchzuschütteln, doch wenn man sich die persönlichen Umfragewerte anschaut, sieht es für die seit acht Jahren regierende Bundeskanzlerin Angela Merkel recht gut aus. Der Vorsprung vor dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück wirkt mit einer Zweidrittel-Mehrheit solide. Zumal Steinbrücks Wahlkampf aufgrund von Irritationen und Fehlern von Anfang an mehr Merkel diente als ihm selbst. „Ich will Kanzler unserer Bundesrepublik Deutschland werden, weil ich mit Euch gemeinsam unser Land wieder ins Lot bringen will.“ Das hat Steinbrück beim SPD-Parteitag in Augsburg gesagt und, mögen die Parteifreunde auch – wie es die Regie vorsieht – in lauten Jubel ausgebrochen sein – der Satz wirkt so hölzern und aufgesetzt wie Steinbrücks zupackende Gestik. Das Fäusteballen. Der letzte SPD-Kanzler Gerhard Schröder konnte so etwas pointierter – sprachlich wie körperlich: „Ich will da rein“, rief Schröder in Richtung Kanzleramt. Die geballte Faust war seine Spezialität, vor allem, wenn nichts anderes mehr ging.

    Angela Merkel hat auf solche Gesten der Kraftmeierei stets verzichtet. Ihr Charisma, so sie über eins verfügt, speist sich aus der Zurückhaltung, dem sich nie ganz Festlegenwollen. Keine typische Führungsqualität, doch Merkel hat daraus, wie es der Titel einer aktuellen Biographie namens „Die Zauderkünstlerin“ auf den Punkt bringt, eine Stärke gemacht. Das allein ist es aber nicht, was die Deutschen an ihr mögen. Längst hat Merkel durch die unendliche Reihe von gewonnenen partei-internen Machtkämpfen den Nimbus der Unbesiegbarkeit entwickelt. Von Merz bis Koch, von Wulff bis Röttgen. Am Ende gewann immer Merkel. Ob damit ethisch alles im Lot ist, bleibt eine offene Frage.