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    Kommentar: Das Geschäft mit der Angst

    „Angst essen Seele auf“ lautet der grammatikalisch absichtlich verunstaltete Titel eines Melodrams, mit dem Rainer Werner Fassbinder beim Filmfestival in Cannes 1974 den Kritikerpreis errang. Angst ist nicht nur oft die Wurzel von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, gegen die sich der Film wendet. Angst ist auch die Ursache für Menschenrechtsverletzungen, die für die Opfer noch gravierendere Folgen haben kann, als latenter oder offen zur Schau getragener Fremdenhass. Denn es gibt kaum etwas, das dem modernen Menschen soviel Angst macht, wie der Verlust der Gesundheit und der Anblick von Krankheit. Mit dieser Angst werden heute überall auf der Welt gewissenlose Geschäfte gemacht (siehe Seite 3). Doch versteht sich niemand darauf so gut, wie das einstmals kommunistische China. Da verschachern chinesische Kliniken die Organe von hingerichteten Häftlingen an zahlungskräftige Amerikaner und Europäer, die zum Weiterleben ein fremdes Organ benötigen. Da offerieren Militärkrankenhäuser trotz eines ausdrücklichen Verbots des chinesischen Gesundheitsministeriums reichen Westlern dubiose Therapien mit aus getöteten Embryonen gewonnenen Stammzellen, obwohl es weltweit keine einzige wissenschaftliche Studie gibt, die deren Wirksamkeit belegt. Im Gegenteil: Das Risiko, dass die Zell-Transplantate im Organismus des Empfängers entarten und Tumore auslösen, ist gewaltig. Und nun verkündet die unter staatlicher Kontrolle stehende englischsprachige Zeitung „China Daily“ die Geburt der ersten beiden Designer-Babys im Reich der Mitte (siehe Seite 8). „Seht her, wir können es auch“ soll wohl allen in der Anglosphäre lebenden Reichen bedeutet werden, denen die Angst vor dem Tod eines schwerkranken Kindes, Verstand und Urteilskraft raubt. Gegen eine solche Angst gibt es letztlich nur ein Heilmittel: Den christlichen Glauben. Christen glauben an ein ewiges Leben. Eines, das ihnen mit dem Tod, wie es in der Präfation der Totenmesse heißt, „nur gewandelt, nicht genommen“ wird. Wie gut, dass das „Jahr des Glaubens“ bald beginnt.

    „Angst essen Seele auf“ lautet der grammatikalisch absichtlich verunstaltete Titel eines Melodrams, mit dem Rainer Werner Fassbinder beim Filmfestival in Cannes 1974 den Kritikerpreis errang. Angst ist nicht nur oft die Wurzel von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, gegen die sich der Film wendet. Angst ist auch die Ursache für Menschenrechtsverletzungen, die für die Opfer noch gravierendere Folgen haben kann, als latenter oder offen zur Schau getragener Fremdenhass. Denn es gibt kaum etwas, das dem modernen Menschen soviel Angst macht, wie der Verlust der Gesundheit und der Anblick von Krankheit. Mit dieser Angst werden heute überall auf der Welt gewissenlose Geschäfte gemacht (siehe Seite 3). Doch versteht sich niemand darauf so gut, wie das einstmals kommunistische China. Da verschachern chinesische Kliniken die Organe von hingerichteten Häftlingen an zahlungskräftige Amerikaner und Europäer, die zum Weiterleben ein fremdes Organ benötigen. Da offerieren Militärkrankenhäuser trotz eines ausdrücklichen Verbots des chinesischen Gesundheitsministeriums reichen Westlern dubiose Therapien mit aus getöteten Embryonen gewonnenen Stammzellen, obwohl es weltweit keine einzige wissenschaftliche Studie gibt, die deren Wirksamkeit belegt. Im Gegenteil: Das Risiko, dass die Zell-Transplantate im Organismus des Empfängers entarten und Tumore auslösen, ist gewaltig. Und nun verkündet die unter staatlicher Kontrolle stehende englischsprachige Zeitung „China Daily“ die Geburt der ersten beiden Designer-Babys im Reich der Mitte (siehe Seite 8). „Seht her, wir können es auch“ soll wohl allen in der Anglosphäre lebenden Reichen bedeutet werden, denen die Angst vor dem Tod eines schwerkranken Kindes, Verstand und Urteilskraft raubt. Gegen eine solche Angst gibt es letztlich nur ein Heilmittel: Den christlichen Glauben. Christen glauben an ein ewiges Leben. Eines, das ihnen mit dem Tod, wie es in der Präfation der Totenmesse heißt, „nur gewandelt, nicht genommen“ wird. Wie gut, dass das „Jahr des Glaubens“ bald beginnt.