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    Kommentar: Christen politisch unerwünscht?

    Wiederholt sich die Geschichte? 2004 scheiterte der Italiener Rocco Buttiglione als designierter EU-Justizkommissar am Europäischen Parlament. Dort hatte er vergeblich versucht, einer aufgebrachten Menge linker und – laut Eigendefinition – liberaler Europaabgeordneter zu erklären, dass man gleichzeitig ein gläubiger Christ und ein pflichtbewusster Politiker sein kann. Konkret ging es darum, ob ein Katholik, der homosexuelle Praktiken persönlich für sündig hält, die Amtspflichten eines EU-Justizkommissars einschließlich des Schutzes Homosexueller vor Diskriminierungen erfüllen kann. Derzeit wird dem von Malta designierten Kommissar Tonio Borg eine Sicht von Abtreibung, Ehescheidung und Homosexualität vorgeworfen, die mit freiem Auge als christlich identifizierbar ist.

    Stephan Baier. Foto: DT

    Wiederholt sich die Geschichte? 2004 scheiterte der Italiener Rocco Buttiglione als designierter EU-Justizkommissar am Europäischen Parlament. Dort hatte er vergeblich versucht, einer aufgebrachten Menge linker und – laut Eigendefinition – liberaler Europaabgeordneter zu erklären, dass man gleichzeitig ein gläubiger Christ und ein pflichtbewusster Politiker sein kann. Konkret ging es darum, ob ein Katholik, der homosexuelle Praktiken persönlich für sündig hält, die Amtspflichten eines EU-Justizkommissars einschließlich des Schutzes Homosexueller vor Diskriminierungen erfüllen kann. Derzeit wird dem von Malta designierten Kommissar Tonio Borg eine Sicht von Abtreibung, Ehescheidung und Homosexualität vorgeworfen, die mit freiem Auge als christlich identifizierbar ist.

    Es war souverän, wie sachlich und argumentativ Borg auf die hochaggressiven Anfeindungen im Europäischen Parlament reagierte. Es war geschickt und der Situation angemessen, dass er nicht seine Weltanschauung oder seinen Glauben begründete, sondern sich auf die Rechtslage zurückzog und zu den EU-Verträgen einschließlich der Grundrechtecharta bekannte. Es war beeindruckend, wie detailliert und kenntnisreich der designierte Kommissar auf die Fragen und Fangfragen der Abgeordneten reagierte. Doch selbst wenn der gläubige Christ und politisch erfahrene Christdemokrat in der kommenden Woche die Zustimmung des Europäischen Parlaments erhalten sollte, bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Hier konnte eine kleine, aggressive Lobby behaupten, dass die christlichen Werte mit den „Werten Europas“ unvereinbar seien. Hier werden angebliche „Werte“ politisch zementiert, die Europas Gesellschaften auf den Kopf stellen. Hier – wie im Fall von Rocco Buttiglione – wird ein christlicher Politiker öffentlich beschimpft und in Frage gestellt, obwohl er versichert, dass seine christlichen Überzeugungen keinen Einfluss auf seine Amtsführung haben werden. Wie wird es erst einem christlichen Politiker ergehen, der – wie viele sozialistische und „liberale“ Politiker – seine Politik gemäß seinem Welt- und Menschenbild gestalten will?